Netz der Telekom angeblich von NSA und GCHQ geowned

"Treasure Map" - Die Spione, die durch das Kabel kamen ...

Einer Meldung des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL zufolge sollen die NSA und Spione ihrer Majestät verdeckten Zugang zu den Netzen der Deutschen Telekom und NetCologne haben. Im Schatz des Snowden-Dokumente sollen sich auch Informationen über ein "Treasure Map" genanntes Programm befinden, das nichts weniger als das Telekommunikationsnetz bis hin zu Endgeräten kartographiert. Die "Schatzkarte" liefert angeblich auch Server-Passwörter und benennt offenbar Mitarbeiter der ausspionierten Telefongesellschaften als Zielpersonen. Der SPIEGEL vergleicht das Programm mit Google Earth. Demnach sind die Netze "geowned", wie im Hacker-Slang für die Beherrschung fremder Systeme genannt wird.

Unklar ist, an welcher Stelle die Elektrospione eindringen. Sollte sich erweisen, dass die Einfalltore innerhalb deutscher Staatsgrenzen liegen, würden sich die Beteiligten wegen Ausspähens von Daten oder Landesverräterischer Ausspähung sowie wegen Verletzung des Fernmeldegeimnisses strafbar machen. Ein solcher Fall hätte den Charme, dass die Ermittlungsbehörden zur Arbeit gezwungen wären, sofern sie die Bundesregierung nicht ausdrücklich an die Kette legt. Genau dies wird voraussichtlich passieren, da es ein offenes Geheimnis ist, dass auch die deutschen Dienste vom Teller der Five-Eyes speisen.

Gegenwärtig ehren NSA und GCHQ die berufstypische Omertá. Die Hoffnung, dass auch nur ein Netz anderer Anbieter nicht ebenfalls betroffen wäre, darf man als naiv bezeichnen. Wer sein Privatleben nicht mit Mr. President oder der Queen teilen möchte, muss sich Gedanken über eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sowie Endgeräte machen, die keine Backdoor enthalten. Bemerkenswert ist, dass die Treasure Map offenbar nicht nur dem Ausspähen, sondern auch dem Cyber-Angriff dienen soll.

Bereits im Kalten Krieg war das westdeutsche Telefonnetz umfassend vom DDR-Ministerium für Staatssicherheit geowned. Angriffspunkte war vor allem die damals genutzten Richtfunkstrecken gewesen, sowie später die scheinbar nicht abhörbaren Transitglasfaserkabel nach Berlin.

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