Neue Allianz eint Lateinamerika

Gipfeltreffen in Venezuela: ALBA-Bündnis gibt sich neuen Namen und schafft permanente Strukturen.

Das lateinamerikanische Staatenbündnis ALBA gewinnt an Gewicht: Auf einem Sondergipfel in Maracay, rund 100 Kilometer von der Hauptstadt Caracas entfernt, wuchs die linksgerichtete Ländergruppe um drei Mitglieder an. Ecuadors Präsident Rafael Correa machte den Beitritt seines Landes adhesion-de-ecuador-al-alba-no-implica-dejar-de-tener-preponderancia-en-otros-organismos-de-integracion-&catid=2:politica: offiziell. Zudem traten die Karibikstaaten St. Vincent und der Commonwealth-Staat Antigua und Barbuda der ALBA bei. Mit dem Mitgliederzuwachs ändert sich auch der Name des Zusammenschlusses: Die ALBA bezeichnet sich künftig als Allianz. Bisher hieß die Gruppe „Bolivarische Alternative für Amerika“.

Dieses inzwischen sechste Treffen der ALBA fand am 188. Jahrestag der Schlacht von Carabobo statt, bei der die lateinamerikanischen Unabhängigkeitstruppen der spanischen Kolonialarmee eine entscheidende Niederlage zufügten. Diese Schlacht um Unabhängigkeit sei nicht beendet, sagte Venezuelas Präsident und Gastgeber Hugo Chávez: „Carabobo ist ein noch laufender Kampf für die wahrhaftige sowie umfassende Unabhängigkeit und Einheit.“ Dies sei die Botschaft des Gipfeltreffens: „Nur die Einheit wird uns die Unabhängigkeit bringen.“

Das Treffen war dementsprechend von Symbolik beherrscht. Mit einer Militärparade auf dem alten Schlachtfeld von Carabobo ließ Chávez die Truppen aufmarschieren. Beteiligt an der Parade waren auch Militärs aus Bolivien, Kuba, Nicaragua und Honduras. Allein Havanna stellte 100 Soldaten für die Militärschau, die mit einer Vorführung russischer Kampfflugzeuge des Typs Suchoi-30 begonnen hatte. Die „sozialistische Revolution“ seines Landes und der Region sei eine friedliche Revolution, sagte Chávez später gegenüber Pressevertretern: „Aber es ist auch eine bewaffnete Revolution.“

Bei diesem 6. Treffen der ALBA richteten die neun Mitgliedsstaaten permanente Räte für politische, wirtschaftliche und soziale Fragen ein. Zudem einigten sich die Staaten des Bündnisses auf die Gründung einer gemeinsamen Wirtschaftszone, die von einem Ministerrat geführt wird. Auch wird ein ständiges Sekretariat der Organisation geschaffen. Die Mitglieder der „Bolivarischen Allianz“ wollen nach Medieninformationen vor allem die gemeinsame Produktion von Nahrungsmitteln vorantreiben. Eine ALBA-Universität soll Fachleute für Agrarwirtschaft und Industrieproduktion ausbilden. Bis zu dem nächsten Gipfeltreffen in Bolivien wird die Schaffung einer eigenen Regionalwährung mit dem Namen Sucre vorbereitet.

Die ALBA wurde Ende 2004 auf Initiative von Venezuela und Kuba als Gegenmodell zu der US-dominierten Gesamtamerikanischen Freihandelszone ALCA gegründet.

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