Neue Macht den Lehrern

In Großbritannien sollen Lehrer leichter "physische Gewalt" anwenden dürfen

Die Gewalt an britischen Schulen war ebenso wie die Versuche der Regierung, ihr mit immer neuen Regelungen beizukommen, ein großes Thema der Labour-Regierung, die Kindern und Jugendlichen mehr Respekt beibringen wollte (siehe dazu Blair will "antisoziales Verhalten" ausrotten, "Wir schlagen zurück" und Britische Schulen sollen "gutes Verhalten, strenge Disziplin, Ordnung und Sicherheit" bieten).

Der neuen Regierung ist das Thema geblieben. Noch im März hieß es in einem Bericht der Lehrergewerkschaft, dass die Gewalt in Grundschulen zunehme und Schüler wie Eltern Lehrer das Fürchten lehren. Im letzten Jahr wurden nach Angaben des Guardian 2000 Schüler wegen Gewaltanwendung gegen Mitschüler oder Erwachsene ihrer Schule verwiesen; hinzukommen 90 000 Unterrichtsverbote wegen körperlicher Angriffe.

In der vergangenen Woche hat nun der neue Parlamentarische Staatssekretär im Bildungsministerium Nick Gibb deutliche Zeichen gegeben, dass man das "Machtgleichgewicht wieder zugunsten der Lehrer verschieben" will. Eine Reihe neuer Maßnahmen, die von der Regierung vergangene Woche veröffentlicht wurden, sollen den britischen Lehrern Befugnisse in die Hand geben, um die Ordnung im Klassenzimmer besser zu gewährleisten.

Dazu gehört, dass Lehrer aufgrund klarerer Regelungen künftig auch "mit körperlichem Einsatz" Störenfriede aus der Klasse entfernen darf. Darüberhinaus will man "Staatsanwälte und Richter" darauf aufmerksam machen, dass Lehrer "Gewalt ausüben" dürfen, wenn das für die Ordnung im Klassenzimmer nötig ist. Der Einsatz "maßvoller physischer Gewalt" war zwar schon vor drei Jahren neu geregelt und erlaubt worden, allerdings hielten sich die Lehrer sehr zurück, weil sie Anzeigen oder disziplinarische Untersuchungen fürchteten. Nun soll Lehrern Anonymität in Fällen gestattet werden, die möglicherweise daraufhin angelegt sind, mit "falschen Behauptungen" ihrer Karriere zu schaden:

"Teachers will be granted anonymity in cases where complaints are made against them in a bid to curb damage to careers by malicious allegations from pupils."

Auch dürfen Lehrer künftig Schüler und Schultaschen genauer durchsuchen, wenn es um "Mobiltelefone, MP3-Player, Pornografie, Feuerwerkskörper und Zigaretten" geht, bislang, war ein solcher Check nur möglich bei Verdacht auf Waffen, besonders Messer, oder Drogen.

Auch das Nachsitzen von Schülern, die sich danebenbenehmen, dürfen die Lehrer nach den neuen Maßnahmen künftig spontan mit sofortiger Wirkung verhängen. Bislang musste die Schule den Eltern 24 Stunden vorher Bescheid geben.

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