Neue Regionalwährung etabliert sich in Lateinamerika

Der "Sucre" soll die Region unabhängiger vom US-Dollar machen

Drei Jahre nach seiner Einführung scheint sich in Lateinamerika und der Karibik ein regionales Buchgeld neu zu etablieren. Der Sucre (XSU) - eine Abkürzung für "Einheitliches System des regionalen Ausgleichs" - hat nach Angaben der Verantwortlichen im vergangenen Jahr die Ziele im multilateralen Handel der beteiligten Staaten übertroffen. Eines der Hauptansinnen der Handelswährung liegt darin, Lateinamerika und die Karibik gegen die Auswirkungen der andauernden Weltwirtschaftskrise unanfälliger zu machen. Ein politischer Anspruch, der auch im Namen deutlich wird: Das Akronym Sucre ist zugleich der Name eines bekannten antikolonialen Freiheitskämpfers Antonio José de Sucre (1795-1830).

Neuestes Mitglied in der Währungsallianz ist Nicaragua. Regierungssprecherin Rosario Murillo sagte vergangene Woche, das mittelamerikanische Land werde spätestens Anfang März die ersten Geschäfte in Sucre abwickeln. Nicaragua folgt damit auf Venezuela, Bolivien, Ecuador und Kuba sowie mehrere karibische Kleinstaaten. Vor allem Venezuela drängt auf eine rasche Ausdehnung des Modells. Der Sitz des zuständigen Regionalen Währungsrates ist Caracas. Man sehe sich damit in einer Tradition mit der regionalen Entwicklungsgesellschaft CAF, die 1978 ihren Sitz in Caracas bezog, ebenso wie die ALBA-Bank 2012, erklärte der Abgeordnete der regierenden Sozialistischen Partei, Jesús Zepeda.

Bislang geben die Zahlen den Fürsprechern des Systems Recht. Im Jahr 2011 seien gerade einmal 431 zwischenstaatliche Geschäfte mit dem Sucre abgewickelt worden, so Eudomar Tovar. 2012 aber seien es bereits 2.645 Geschäfte gewesen, so der Vizepräsident der Venezolanischen Zentralbank und Vorsitzende des Regionalen Währungsrates, der den Sucre koordiniert. Diese Geschäfte hätten einen Gegenwert von umgerechnet gut 1,1 Milliarden US-Dollar gehabt. Im laufenden Jahr könnte diese Bilanz auf umgerechnet 1,7 Milliarden US-Dollar gesteigert werden.

Ein Grund für den Erfolg ist offenbar, dass die beteiligten Länder und Unternehmen für den zwischenstaatlichen Handel keine Devisen mehr aufbringen müssen. Wenn beispielsweise ein kleines venezolanisches Unternehmen Waren im ALBA-Wirtschaftsraum kauft, zahlt es den Gegenwert in der Landeswährung Bolívar an ein autorisiertes Kreditinstitut. Derzeit sind das in Venezuela 15 öffentliche oder private Banken. Das Geldinstitut überweist die Summe dann an die Zentralbank. Diese konvertiert den Betrag bei einem festen Wechselkurs von eins zu 1,25 zum US-Dollar an die Zentralbank des Partnerstaates, wo das dortige Unternehmen in der Landeswährung ausbezahlt wird.

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