Neues Erdbeben behindert Arbeiten in Fukushima

Einen Monat nach der Atomkatastrophe weitet die Regierung die Evakuierungszone zaghaft aus

Die Erde um das japanische Atomkraftwerk Fukushima kommt nicht zur Ruhe. Erneut wurde das Atomkraftwerk am Montag um 17 Uhr 16 Ortszeit von einem schweren Nachbeben der Stärke 6,6 erschüttert. Die Notfallteams wurden aus den havarierten Meilern evakuiert. Der Betreiber Tepco teilte mit, dass auch der Strom ausfiel, weshalb die Pumpen zum Kühlen der Reaktoren wieder einmal außer Betrieb waren. Allerdings sei die Stromversorgung nach gut 50 Minuten wieder aufgenommen worden.

Damit konnte auch wieder Stickstoffs in den Reaktor 1 geleitet werden, in dem wegen der wohl andauernden Kernschmelze offensichtlich besonders viel Wasserstoff produziert wird. Mit dem Stickstoff soll verhindert werden, dass es erneut zu einer Wasserstoff-Explosion kommt. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo wurden die Arbeiten deutlich zurückgeworfen. Verschoben wurde das Abpumpen des hochradioaktiv verseuchten Wassers aus den Reaktoren 1-3. Das verhindert weiterhon, dass die Lage in den Katastrophenreaktoren stabilisiert werden kann.

Die Zerstörungen in Fukushima 1. Bild: Tepco

Hidehiko Nishiyama, Sprecher der japanischen Atomaufsichtsbehörde (NISA) schätzt die Lage im Atomkraftwerk weiter pessimistisch ein. Es sei noch keine Situation erreicht, "die man optimistisch sehen" könnte. "Wir sind jetzt in dem Dilemma, dass wir Wasser sehen, das einerseits eingefüllt wird, um die Reaktoren zu kühlen, und andererseits an anderer Stelle in der Anlage als kontaminierte Wassermengen wieder auftaucht", sagte Nishiyama. Damit sagt er eigentlich, dass das Wasser extrem verstrahlt ist, weil es mit den Brennstäben direkt in Kontakt war.

Genau einen Monat nach dem Beginn der Katastrophe weitet die Regierung endlich die Evakuierungszone aus. Bereits vor zwei Wochen hatte die Umweltschutzorganisation Greenpeace dies nach eigenen Strahlenmessungen gefordert. Doch anstatt der geforderten allgemeinen Ausweitung hat die Regierung über ihren Regierungssprecher Yukio Edano angekündigt, dass nur selektiv vorgegangen werde. Klar, eine allgemeine Ausweitung würde die Versuche der Regierung, eine gewisse Normalisierung zu suggerieren, konterkarieren.

Nachdem sich Bewohner in Kleinstädten wie Iitate in den letzten Wochen schon der höchsten Strahlendosis für ein Jahr ausgesetzt waren, soll nun auch diese Stadt evakuiert werden. "Wir haben den Einfluss radioaktiven Materials auf die menschliche Gesundheit bei dieser Entscheidung miteinbezogen unter der Annahme, dass Menschen in diesen Gebieten für sechs Monate bis zu einem Jahr leben", sagte Edano.

Evakuiert werden soll nun in einem Umkreis von 20 bis zu 40 Kilometern, aber nur wenn die Strahlendosis in der Gemeinde bei 20 Millisievert pro Jahr liegt, was für Kinder und Schwangere schon eine hohe Dosis ist. Bisher hatte die Regierung allerdings einen Wert von 50 Millisievert pro Jahr angelegt. Neben Iitate sollen nun auch die Orte Katsurao und Namie geräumt werden. Allerdings kann das noch bis zu einem Monat dauern.

Greenpeace fordert inzwischen, die Evakuierungszone noch weiter auszuweiten, nachdem in bewohnten Gebieten etwa 60 Kilometer des Atomkraftwerks deutlich erhöhte Strahlen festgestellt wurden. In der Stadt Koriyama, die immerhin 340.000 Einwohnern zählt, seien 2,8 Mikrosievert pro Stunde gemessen worden. Nach Angaben von Greenpeace ist das so viel, dass die Bevölkerung schon hier der maximalen Strahlendosis von 1000 Mikrosievert im Jahr in nur wenigen Wochen ausgesetzt ist.

Der hoch verschuldete Betreiber der Kraftwerke, an dessen Verstaatlichung wohl kein Weg vorbeiführt, erhält nun seinen Billionenkredit. Mit den zwei Billionen Yen (etwa 17,5 Milliarden Euro) sollen bestehende Kredite bedient, der Betrieb finanziert, Anleihen zurückgezahlt sowie Brennstoffe und der Wiederaufbau bezahlt werden. Dass Kyodo im Titel schreibt, das Geld würde für "quake-caused damage" eingesetzt und damit suggeriert, die Opfer würden etwas von dem Geld bekommen, ist ein falscher Eindruck. Noch Ende März hatte die Regierung angekündigt, "Tepco wird die Verantwortung tragen".

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