"Nicht vor dem Alter von 15 Jahren"

Die parlamentarische Versammlung des Europarats und skandinavische Kinderombudsleute sprechen sich für ein Verbot der Beschneidung von minderjährigen Jungen aus

Die Ombudsleute für Kinder aus fünf nordischen Ländern - Schweden, Norwegen, Finnland, Dänemark und Island - haben sich auf eine Resolution geeinigt, in der sie von ihren jeweiligen Regierungen fordern, nicht-therapeutische Beschneidung von minderjährigen Jungen zu verbieten.

Die Jungen sollen nach Auffassung der Kinder-Bürgerbeauftragten dazu befähigt werden, selbst darüber zu entscheiden, ob sie beschnitten werden. Das könnten sie erst ab einem bestimmten Alter. Alles andere verstoße gegen eine "medizinische Ethik". Zur Untermauerung ihres Standpunktes stützen sich die Ombudsleute auf Artikel 12 der UN-Konvention über die Rechte des Kindes, der das Recht der Kinder auf freie Meinungsäußerung "in allen das Kinder berührenden Angelegenheiten" und die Berücksichtigung derselben festschreibt und auf Artikel 24 (3), der statuiert, dass "die Vertragsstaaten alle wirksamen und geeigneten Maßnahmen (treffen), um überlieferte Bräuche, die für die Gesundheit der Kinder schädlich sind, abzuschaffen".

Unterstützung bekommt die Initiative laut eines Berichts der britischen National Secular Society von einer Medizinerorganisation in Großbritannien.

Für deren Sprecher stellt sich die Situation eindeutig so dar, dass Kinder "vor Leuten mit Messern und starken religiösen oder kultischen Überzeugungen geschützt werden müssen". Es gebe keine Rechtfertigung dafür, gesunde Kinder zu beschneiden. Für den Beschneidungsgegner Antony Lempert steht außer Frage, dass den beschnittenen Kindern ein irreversibler Schaden zugefügt wird. Eine Meinung, die allerdings auch unter Medizinern umstritten ist.

Auch der Europarat, eine aus 47 Staaten bestehende Dachorganisation - nicht zu verwechseln mit dem Europäischen Rat - hat am Dienstag in der Parlamentarischen Versammlung einen mehrheitlichen Beschluss gefasst, der die Beschneidung von Jungen als "Verletzung der körperlichen Unversehrtheit" bezeichnet, wie die Jerusalem Post meldet. Demnach sollen die Mitgliedsstaaten eine "öffentliche Debatte, einschließlich eines interkulturellen und interreligiösen Dialogs, in Gang setzen, um einen breiten Konsens über die Rechte der Kinder zum Schutz ihrer körperlichen Unversehrtheit nach Menschenrechtsstandards zu erzielen".

Laut Israel National News forderten Abgeordnete des Europarats auch ein Verbot der Beschneidung von Jungen unter 15 Jahren.

In ihrem Bericht erwähnt die Jerusalem Post auch die Gegnerschaft zur Beschneidung von minderjährigen Jungen in skandinavischen und deutschsprachigen Ländern. Als treibende Kräfte werden linksorientierte Säkularisten und rechte Nationalisten genannt, die sich vor dem Einfluss von Einwanderern aus muslimischen Ländern fürchten.

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