Nord Stream 2: Bundesregierung will auch Gas aus den USA

Gas-Gracking-Quelle in Pennsylvania. Bild: Jeremy Buckingham/CC BY-SA-2.0

An der Nordseeküste sollen Terminals für die Einfuhr von verflüssigtem Gas (LNG) aus Übersee entstehen

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier will Frackinggas aus den USA. Das ist das Ergebnis einer "deutsch-amerikanischen Expertenrunde", die gestern im Berliner Wirtschaftsmionisterium zusammensaß und von der unter anderem das ARD-Hauptstadtstudio berichtet.

Nach Darstellung des ARD-Korrespondenten habe US-Präsident Donald Trump zusätzliche Lieferungen angeboten, da deutsche und andere europäische Kritiker eine zunehmende Abhängigkeit vom russischen Erdgas fürchten. So selbstlos kann der US-Präsident sein. (Ernsthaft, das hat Horst Kläuser vom WDR tatsächlich so formuliert.)

LNG Überflüssig

Mindestens zwei neue Flüssiggasterminals sollen an der Nordseeküste entstehen. Die USA hatten zuletzt erheblich gegen den Bau der Nord Stream 2 gestänkert, durch die demnächst zusätzliches russisches Erdgas in das mitteleuropäische Netz fließen soll.

Die Pipeline ist am Grunde der Ostsee schon in Bau und in Vorpommern und Brandenburg werden bereits neue Röhren verbuddelt um das Nord-Stream-Gas vom ostdeutschen Lubmin in der Nähe Greifswald bis in die Tschechische Republik pumpen zu können.

Benötigt wird zusätzliches Flüssiggas aus Übersee also nicht unbedingt, zumal auch aus Norwegen immer noch viel Gas in Pipelines am Grunde der Nordsee nach Mitteleuropa nach Mitteleuropa gelangt. Die deutschen und britischen Vorkommen erschöpfen sich hingegen zunehmend, und beim niederländischen Nachbarn hat man bereits 2016 beschlossen die Förderung wegen zunehmender Probleme mit kleinen Erdbeben zu drosseln.

Klimakiller

Doch offensichtlich soll mit der zusätzlichen Option auf Gasimporte per Schiff die USA zufrieden gestellt werden. Ob das Frackinggas tatsächlich auf den deutschen Markt kommt, ist derweil noch eine andere Frage, denn genauso gut können die Anlagen natürlich für Gas aus dem Iran oder den anderen Golfstaaten genutzt werden. Als Standort für ein Flüssiggasterminal brachte der Minister Stade und Brunsbüttel an der Unterelbe sowie Wilhelmshaven an der Wesermündung ins Gespräch.

Klimapolitisch wäre Frackinggas auf jeden Fall eine Katastrophe. Zwar ist Erdgas gegenüber Kohle der bessere Brennstoff für Kraftwerke. Zum einen, weil Gaskraftwerke erheblich flexibler sind und besser dem variierenden Angebot von Wind- und Sonnenstrom angepasst werden können. Zum anderen, weil pro erzeugter Kilowattstunde deutlich weniger Treibhausgas ausgestoßen wird.

Letzteres gilt aber für das Frackinggas nur am Kraftwerksschornstein. Der Förderprozess ist nicht nur zum Teil extrem schädlich für die lokale Umwelt. Bei ihm entweicht auch ein Teil des Gases, wie in den USA seit einigen Jahren nachgewiesen ist.

Methan, der Hauptbestandteil des Erdgases, ist aber ein sehr effektives Treibhausgas. Unterm Strich ist Frackinggas damit mindestens ebenso schädlich für das Klima, wie Stein- wenn nicht gar wie Braunkohle. Im Vergleich dazu ist russisches oder norwegisches Erdgas fast grün.

Windgas

Die beste Lösung wäre es immer noch, Erdgas mit Biogas und synthetisierten Methan und Wasserstoff zu ersetzen. Damit könnte das Gasnetz auch zur Batterie für den Strom aus Windkraft- und Solaranlagen werden.

Eine Möglichkeit wäre, per Elektrolyse mit Strom Wasserstoff herzustellen. Dieser kann denn unter anderem ins bestehende Erdgasnetz eingespeist werden. Technisch ist Erdgas ohnehin ein Gemisch, das hauptsächlich aus Methan aber auch aus kleineren Anteilen Wasserstoff besteht. Beimischungen von bis zu zehn Prozent scheinen vertretbar zu sein.

In einem zweiten Schritt wäre auch eine Methanisierung des Wasserstoffs (H2) mit CO2 zu CH4 (Methan) möglich, aber derartige Anlagen sind bisher noch sehr selten. Wassertstoffproduktion kommt hingegen inzwischen auch bei den alten Hasen der Branche an. Die Übertragungsnetzbetreiber Tennet und Amprion planen jeweils eine 100-Megawatt-Elektrolyseanlage in Nordwestdeutschland, sie das Handelsblatt berichtet.

Diese sollen Anfang des nächsten Jahrzehnts in Betrieb gehen und vor allem Windstrom verwerten, der wegen Überangebots nicht anderweitig verwendet werden kann. Allerdings stehe die Bundesnetzagentur noch auf der Bremse. Die geplante Anlage gehöre nicht zum Aufgabenbereich des Netzbetreibers. Daher muss sie, so die Zeitung, für alle Anbieter offen gehalten werden und könne sich nicht allein auf Windstrom konzentrieren.

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