Nordwestpassage so gut wie offen

Eisschwund im hohen Norden geht weiter

8084/amsr/arctic_AMSRE_visual.png: Satellitendaten der Uni-Bremen zeigen, dass die Nordwestpassage durch das arktische Archipel fast eisfrei ist. Nur vor dem Ausgang in den arktischen Ozean tummeln sich noch reichlich Eisschollen. Je nach dem, wie die Winde in den nächsten Wochen wehen, könnte der Ausgang allerdings versperrt bleiben, weil immer wieder neues Eis in die Öffnung des Parry-Kanals gedrückt wird.

Die Passage ist bis vor wenigen Jahren stets ganzjährig von Eis blockiert gewesen. Nur einige Eisbrecher, U-Boote und extra verstärkte Schiffe haben sie bisher passieren können. Die Expedition Roald Amundsens hatte bei seiner legendären ersten Durchfahrt Anfang des 20. Jahrhunderts eine Route südlich des westlichen Ende des Parry-Kanal gewählt, die nur für besonders flache Fahrzeuge passierbar ist. Selbst dafür brauchte er seinerzeit mehrere Jahre.

Die Öffnung der Passage hat neben den Vorteilen, die sie für die internationale Schifffahrt spielen kann, auch eine negative, wenn auch eher symbolische Bedeutung, weil an ihr der Rückgang des arktischen Eises deutlich wird. Dieses zieht sich im Rhythmus der Jahreszeiten jeden Sommer zurück, aber die Minima fallen zunehmend geringer aus.

Das Ergebnis: In den Sommermonaten, in denen über der Arktis die Sonne rund um die Uhr scheint, ist eine zunehmend größere Fläche der nördlichen Meere ohne Eisbedeckung. Das Wasser kann sich dort also durch die Sonneneinstrahlung erwärmen, die noch vor wenigen Jahren einfach vom Eis direkt zurück ins Weltraum reflektiert worden wäre.

Gelegentlich wird eingewendet, dass die globale Eisbedeckung in den letzten Jahren kaum abgenommen habe. Der Einwurf ist nicht falsch, sondern irreführend. Denn zusätzliche Eisbedeckung in der Antarktis kann keinesfalls den sommerlichen Eisschwund im hohen Norden kompensieren. Es ist richtig, dass in den hiesigen Sommermonaten, wenn auf der Südhalbkugel Winter herrscht, dort rund um den antarktischen Kontinent das Eis sich weiter als sonst ausgedehnt hat. Allerdings ändert das erstens nicht an den Auswirkungen des Eisschwunds im hohen Norden. Zweitens sind die Auswirkungen auf das globale Klima auch deshalb minimal, weil das zusätzliche Eis überwiegend im Dunkeln liegt und daher die Reflektivität des Planeten nicht erhöhen kann.

Derweil wird die Nordwestpassage auch ohne geschlossene Eisdecke nicht unbedingt problemlos sein. Dfaür werden unter anderem auch die Reste des Packeises sorgen, die noch als kleine Eisberge in den potenziellen Schifffahrtsrouten herumdriften. Richtig ungemütlich könnte es durch die riesige Eismasse werden, die letzte Woche im Nordwesten Grönlands vom Petermanngletscher abgebrochen ist. Die wird in den nächsten Monaten und Jahren auseinander fallen und als Eisberge die Schifffahrt gefährden.

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