Nullzinspolitik nun auch in der Schweiz

Überraschend senkt auch die Alpenrepublik die Leitzinsen auf ein Zielband zwischen 0 und 0,25% ab

Die Schweiz hat massive Probleme mit ihrer Währung. Der Franken ist extrem stark, weil die Alpenrepublik angesichts der Probleme an den Finanzmärkten als Fluchtwährung gilt. Wie auch der Goldpreis auf immer neue Rekorde steigt, so ging es auch dem Franken. Überraschend haben die Währungshüter nun am Mittwoch einige der letzten Pfeile verschossen, die ihnen im Kampf bleiben, um den Wert der Währung zu senken. War Zielband der Leitzinsen krisenbedingt bisher noch bis 0,75% gedehnt, wurde es jetzt auf 0,25% gesenkt. Eigentlich hätte die nächste reguläre Sitzung mit geldpolitischen Entscheidungen erst am 15. September stattfinden sollen.

Die Notenbank schreibt in einer Mitteilung, dass die Schweizer Nationalbank (SNB) den Franken zur Zeit für massiv überbewertet hält. "Die gegenwärtige Frankenstärke bedroht die Wirtschaftsentwicklung und erhöht die Abwärtsrisiken für die Preisstabilität in der Schweiz." Deshalb werde sie der fortwährenden Verschärfung der geldpolitischen Rahmenbedingungen nicht tatenlos zusehen und strebt "einen Dreimonats-Libor so nahe bei Null wie möglich an".

Dazu kommt, dass der Geldmarkt geflutet wird und die Liquidität am Schweizer-Franken-Geldmarkt über die nächsten Tage massiv erhöht wird. Die Kontobestände, welche die Geschäftsbanken bei der SNB haben, werden von 30 Milliarden auf 80 Milliarden Franken ausgeweitet. Die Schritte seien notwendig geworden, weil sich die Aufwertung des Schweizer Frankens in den letzten Wochen stark beschleunigt habe. "Entsprechend haben sich die Aussichten für die Schweizer Wirtschaft deutlich verschlechtert."

Gemeint ist, dass sich die Waren und Dienstleistungen der Alpenrepublik massiv verteuert haben. Touristen bleiben angesichts der horrenden Preise aus oder fahren ab. Die Schweizer ihrerseits gehen verstärkt mit ihrem starken Franken im Euroraum einkaufen, denn schließlich ist das kleine Land von Deutschland, Österreich, Frankreich und Italien umschlossen. Wie sich der Franken entwickelt hat, wird an ein paar Zahlen deutlich. Im Oktober 2007 mussten fast 1,7 Franken bezahlt werden, um einen Euro zu kaufen. Gestern kostete er weniger als 1,1 Franken, der inzwischen auf die Parität zum Euro zustrebt. Für den extrem schwachen Dollar müssen die Schweizer derweil sogar weniger als 80 Rappen bezahlen.

Kurzfristig war die Intervention der Notenbank am Mittwoch zunächst erfolgreich. Der Kurs des Euro stieg gegenüber dem Franken wieder auf 1,11. Ob der Wert der Währung dauerhaft gesenkt werden kann, zweifeln die Experten. Viele gehen davon aus, dass die Interventionen der Notenbanken im besten Fall nutzlos und meistens sogar schädlich seien. Ob es Wirkung hat, dass die SNB ausdrücklich erklärte, sich weitere Interventionen vorzubehalten, mussabgewartet werden. Viele geldpolitische Mittel bleiben ihr nun aber nicht mehr.