Nur 7,4 Prozent der 63-65-Jährigen haben noch einen Arbeitsplatz

Für die Kritiker ist die Rente mit 67 ein arbeitspolitischer Nonsens

Uneinigkeit herrscht nun bis in die Spitze der Regierung hinein über die Wahlkampfaktion der Rentengarantie. Kaum beschlossen, wird sie auch schon wieder bezweifelt.

Dazu kommt noch ein weiterer Schlag gegen die Garantie der Rente. Um diese zu sichern, wurde das Rentenalter auf 67 Jahre hoch gesetzt -wofür sich vor allem die SPD stark gemacht hatte. Das sei alternativenlos, meinen die Befürworter. Kritiker zweifelten freilich von Anfang an am Sinn dieser Verlängerung, da die meisten Arbeitnehmer sowieso schon früher aus dem Arbeitsleben ausscheiden.

Das bestätigt nun die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag, die die Wahl auch zu einer "Volksabstimmung über die Rente mit 67" machen will. Die Linksfraktion sagt, die Hälfte der Menschen, die seit Mai 2008 arbeitslos geworden sind, seien zwischen 55 und 64 Jahre alt.

Die Daten stammen aus dem Sommer des letzten Jahres, als die Krise noch nicht ausgebrochen war, die die Situation mit dem zu erwartenden Anstieg der Arbeitslosigkeit noch verschlechtern wird. Im Alter zwischen 63 und 65 Jahren haben, so die Frankfurter Rundschau, gerade noch 7,4 Prozent der Menschen einen sozialversicherungspflichtigen Job. Auch bei den 58-63-Jährigen hat nur jeder Vierte und bei den 55-58-Jährigen 39,4 Prozent einen vollen Arbeitsplatz. Die Beschäftigungsquote geht ab dem Alter von 50 Jahren steil nach unten. Bei den über 58-Jährigen ist die Arbeitslosenzahl in einem Jahr um 96 Prozent gestiegen.

Die Bundesregierung bewertet in ihrer Antwort die Arbeitsmarktentwicklung bei den Älteren insgesamt als "relativ günstig". Der Anstieg der Arbeitslosigkeit bei den über 58-Jährigen sei durch das Ende 58er Regelung zu erklären, nach der Arbeitslose bis Ende 2007 in eine Art Vorruhestand treten konnten. Jetzt gelten sie als arbeitslos, der Negativtrend gehe also auf eine "verbesserte statistische Erfassung" zurück.

Klaus Ernst, der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken, hatte im Bundestag darauf hingewiesen, dass nach dem Netzwerk für eine gerechte Rente die Arbeitslosenzahlen der Regierung geschönt seien. "Nur 22,64 Prozent der Arbeitslosen zwischen 60 und 65 Jahren weisen Sie in der Statistik tatsächlich aus. … Die Beschäftigungsquote fällt ab dem 50. Lebensjahr dramatisch ab. Nur 20 Prozent der Männer und nur circa 10 Prozent der Frauen sind mit 64 Jahren noch in einer Beschäftigung. Wissen Sie eigentlich, was das bedeutet? Glauben Sie wirklich, dass die Menschen, die mit 64 keinen Job mehr haben, mit 65 wieder eingestellt werden, wenn Sie das Renteneintrittsalter auf 67 Jahre erhöhen? Auf welchem Stern leben Sie denn eigentlich?"

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