OECD: Einkommensunterschiede sind während der Krise mehr gewachsen als zuvor

Daten aus den Jahren von 2007 bis 2010 zeigen, dass Jugendliche und Kinder Risiken der Verarmung besonders ausgesetzt sind

Jahrelang habe der Wohlfahrtsstaat einiges an Auswirkungen abfangen können, die aus der Verarmung der unteren Schichten und dem weiteren Aufklaffen der Einkommensunterschiede resultieren. Die Abfederung sei jedoch durch die Sparmaßnahmen gerade im sozialen Bereich gefährdet. Die Wirtschaftspolitik bewege sich mit rigiden Sozialsparpaketen am Limit - die Warnung ist der jüngsten Meldung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zu entnehmen.

Die OECD hat mit ihrer Sammlung wirtschaftlicher Daten im Zeitraum von 2007 bis 2010 ermittelt, dass die Ungleichheit im Einkommen der ärmeren und der reicheren Schichten weiter zugenommen hat. In diesem Zeitraum kam es bekanntlich zur Finanz-und Wirtschaftskrise, die bis heute vorhält. In der Analyse der Daten hat die OECD ein bemerkenswertes Phänomen ausgemacht:

"Die Einkommensungleichheit (in den OECD-Mitgliedstaaten, Einf. d.V.) ist in den drei Jahren der Krise bis Ende 2010 stärker angewachsen als in den vorausgehenden zwölf Jahren."

Durch Steuer- und Transfersysteme sei die Wirkung zwar abgeschwächt worden, dennoch sei unverkennbar, dass die ärmeren Haushalte zwischen 2007 und 2010 mehr verloren haben bzw. weniger hinzuverdient haben als die reicheren. In 21 von 33 Ländern, deren Daten zugänglich waren, zeigte sich, dass die oberen 10 Prozent besser mit der Krise zurecht kamen als die unteren 10 Prozent. Allerdings war das Phänomen nicht in allen Ländern zu beobachten. So haben sich das verfügbare Haushaltseinkommen in Deutschland und Österreich nicht so entwickelt, dass die Unterschiede größer geworden seien, so der OECD-Bericht.

Er zeigt warnend besonders auf den Anstieg der Kinderarmut, die 16 OECD-Staaten seit 2007 gewachsen ist; um über 2 Prozent in der Türkei, in Spanien, Belgien, Slowenien und Ungarn. Dem gegenüber gestellt wird, dass die Rentner die Auswirkungen der Krise "in vielen Ländern" besser abfangen konnten. Woraus die Organisation schließt, dass sich der schon seit einiger Zeit "abzeichnende Trend in den OECD-Ländern, dass Jugendliche und Kinder die Älteren als Risikogruppe ersetzt haben, die mit geringem Einkommen zu kämpfen hat", bestätige.

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