Obama: Afghanistan "oberste Priorität" der Regierung

Der künftige US-Präsident reagierte auf die Botschaft von Bin Laden, indem er die Bedeutung von dessen Ergreifung herunterspielte.

Zumindest medial scheint Osama bin Laden noch Einfluss zu haben. Kaum hatte er sich in einer neuen Botschaft geäußert und den Niedergang der USA angekündigt, fühlte sich Barack Obama genötigt, darauf zu reagieren und diesen damit als Gegenspieler aufzuwerten.

In einem Interview mit dem Sender CBS hob Obama hervor, dass Afghanistan und das afghanisch-pakistanische Grenzgebiet seine "erste Priorität als Präsident" sein werden. Mit dem Einmarsch in den Irak habe man sich abgelenkt, jetzt müsse man aus dem Irak die Truppen abziehen und die Region stabilisieren. Man müsse hier möglichst großen Druck ausüben, damit sich die Terroristen nicht festsetzen können, sondern – wie auch George W. Bush gerne sagte – sie "on the run" bleiben. Zudem müsse man sicherstellen, dass keine Menschen trainiert werden, "um unsere Heimat anzugreifen". Im Pentagon heißt es allerdings, dass man für Afghanistan noch nie eine wirkliche Strategie entwickelt habe und eine solche jetzt auch nicht vorhanden sei.

Auf die Frage, wie wichtig es ist, Bin Laden zu ergreifen, setzte Obama die Ziele sicherheitshalber niedriger als die alte Regierung, die daran offensichtlich gescheitert war, Bin Laden "tot oder lebendig" auszuschalten. Man müsse, meinte Obama, "seine Infrastruktur schwächen, so dass er nicht operieren kann, egal ob er technisch lebt oder nicht". Obama würde zwar vorziehen, dass er gefangen oder getötet wird, aber es reicht ihm auch, wenn er "in einer Höhle sitzt und nicht einmal mit seinen Leuten kommunizieren kann". Dann habe man das Ziel erreicht, Amerika zu schützen. Obama will damit ganz offensichtlich vermeiden, ähnlich wie Bush und Cheney blamiert zu werden, wenn Bin Laden nicht ergriffen werden kann.

Noch während des Wahlkampfes hatte Obama allerdings noch anders geklungen und am 7.10.2008 gesagt: "And if we have Osama bin Laden in our sights and the Pakistani government is unable or unwilling to take them out, then I think that we have to act and we will take them out. We will kill bin Laden; we will crush Al Qaeda. That has to be our biggest national security priority."

Was den Gaza-Krieg betrifft, will sich Obama weiter heraushalten. Allerdings erklärte er, dass man zur Lösung des Nahost-Konflikts mit Syrien und Iran zusammen arbeiten müsse. Israels Sicherheit müsse geschützt, aber eine Zwei-Staaten-Lösung gefunden werden.