Obama unterstützt den Bau neuer Atomreaktoren

Staatsbürgschaften sollen die nötigen Garantien für den Ausbau der Nuklearanlagen bereitstellen. Die Atommüllendlager-Frage wird nicht geklärt.

Im Wahlkampf erweckte Obama eher den Eindruck, dass er sich nicht für einen Ausbau der Kernenergie engagieren würde, seit seiner Rede an die Nation Ende Januar wird jedoch ein Kurswechsel deutlich: Obama setzt auf Atomenergie. Die Ankündigungen werden konkreter. Gestern versprach der US-Präsident einer "enthusiastischen Zuhörerschaft von Gewerkschaftsvertretern" neue Arbeitsplätze in diesem Bereich und Bürgschaften für Löhne zum Bau zwei neuer Atomreaktoren in Georgia in Höhe von 8,3 Milliarden Dollar.

Das sei nur der Anfang, so Obama. Das Budget sehe eine Verdreifachung von Lohn-Bürgschaften vor, um dabei zu helfen "saubere nukleare Anlagen" zu finanzieren.

Noch ist das Projekt, das zwei neue Reaktoren in Georgia vorsieht, nicht durch, wird berichtet. Fragen zur Bauart des Reaktors sind noch nicht restlos geklärt. Die Zuwendungen aus dem Staatssäckel sollen die Southern Company beim Bau der Reaktoren unterstützen. Sollte das Projekt die Zustimmung finden, würde damit der erste Nuklearreaktor in den USA seit 1973 gebaut, wird in Medienberichten herausgestellt.

Während Obama in seiner Rede betonte, dass mit dem künftigen Bau von Kernkraftwerken zwei große politische Probleme konstruktiv angegangen würden, die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen und die Frage nach sauberen Energiequellen, ließ er das große Problem der Kernenergie unerwähnt: Wohin mit dem radioaktiven Abfall?

Unter seiner Präsidentschaft wurde das Geld für den Ausbau des Endlagers in Yucca Mountain weitgehend gestrichen (siehe dazu US-Regierung will Ausbau des Atommüll-Endlagers stoppen). Im Wahlkampf sagte Obama, dass der Bau neuer Reaktoren erst in Frage käme, wenn Sicherheitsprobleme der Atommüllentsorgung geklärt seien. Neue Lösungen für ein Atommüll-Endlager sind aber bislang nicht bekannt geworden.

Beobachter sehen in den jüngsten Atomenergie-Ankündigungen Obamas einen taktischen Zug, der sich um die Gunst von Republikanern bemüht, deren Stimmen Obama für eine Reihe von Entscheidungen benötigt - zum Beispiel bei Gesetzgebungsprojekten, die den Klimawandel betreffen. Die Republikaner machten sich im Wahlkampf für den Ausbau der Nuklearenergieanlagen stark.

Bislang liefern in den USA 104 Atomkraftwerke 20 Prozent des Stroms; unter den "CO2-freien" Energiequellen haben sie einen Anteil von 70 Prozent. Laut Informationen der Washington Post steht das Energieministerium in Verhandlungen über den Bau drei weiterer Atomreaktoren, die in South Carolina, Maryland und Texas geplant sind.

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