Ökosex

Wie man durch die Verbindung zweier Reizwörter Aufmerksamkeit erregt

Aufmerksamkeit für ein Produkt zu erregen, ist keine leichte Aufgabe. Die üblichen formelhaften Pressemitteilungen werden beim Empfänger häufig gleich en gros markiert und in den Papierkorb befördert. Um dem zu entgehen, muss in der Betreffszeile schon etwas stehen, das ungewöhnlich wirkt. Ein Reizbegriff alleine reicht dazu nach fast 20 Jahren Spam nicht mehr aus. Potenziell wirksamer sind zwei Begriffe, die scheinbar nicht recht zusammenpassen.

Die amerikanische Autorin Stefanie Iris Weiss kombinierte dazu die den Trendbegriff "Öko" mit dem Dauerbrenner "Sex" und veröffentlichte im letzten Jahr ein Buch dazu. Ihr Credo: Weniger Blumen schenken, "natürlich" verhüten und ortsnah treffen, um Benzin zu sparen. Das Portal JOYclub nahm dieses Buch zum Anlass für eine Umfrage, deren Ergebnisse man zur Steigerung der eigenen Bekanntheit einsetzt.

Allerdings ist das, was in der Umfrage herauskam, - vorsichtig formuliert - eher minder interessant: So überrascht es nicht wirklich, dass sich 85 Prozent selbst für "umweltbewusst" halten, aber nur sieben Prozent "schon einmal über die ökologischen Aspekte ihres Sexlebens nachgedacht" haben. Warum man angesichts solch eines Ergebnisses einen "Trend" ausruft, erklärt sich wohl eher aus dem Willen zur Sensation, als aus offenbar nicht existenten Vergleichszahlen aus der Vergangenheit.

Andere Fragen betreffen Gimmicks wie ökologische Bett- und Unterwäsche, solarbetriebene Vibratoren oder Fair-Trade-Sexspielzeug, die seit einer Greenpeace-Meldung vor fast zehn Jahren immer wieder in den Medien auftauchen. Dass ein Drittel der Befragten Kondome nicht ins Klo wirft, hat aber wahrscheinlich weniger damit zu tun, dass sie "womöglich in Gewässern landen", als mit der Tatsache, dass man sich so öfter mal 50 Euro für den Klempner spart.

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