Ölpreis: Es geht weiter abwärts

Der Preis des schwarzen Goldes bleibt spannend

Der Ölpreis sinkt und sinkt. Zuletzt ist er regelrecht in die Tiefe gerauscht. Am gestrigen Dienstag verlor er gut sechs Prozent, wie das Handelsblatt berichtet. Für die europäische Standardsorte Brent musste am Mittwochmittag 66,23 US-Dollar pro Barrel bezahlt werden, für sein nordamerikanisches Pendant WTI waren es 56,09 US-Dollar pro 159-Liter-Fass.

Laut Handelsblatt geben die Ölpreise inzwischen 12 Tage in Folge nach, was der am längsten ununterbrochen anhaltende Abstieg in der Geschichte der Preisnotierung sei. Am Mittwoch schien die Entwicklung zunächst zu pausieren, aber nach einer Erholung sah es zur Mittagszeit noch nicht aus.

Saudi Arabien hat derweil angekündigt, seine Produktion zu drosseln und fordert die anderen OPEC-Staaten auf, seinem Beispiel zu folgen (OPEC = Organisation Erdöl produzierender Staaten). Durch Verknappung des Angebots soll der weitere Preisverfall aufgehalten werden.

Doch nicht alle Förderländer können sich das leisten und lange nicht alle sind in der OPEC. Immerhin gibt es aber mit dem wichtigen Erdölexporteur Russland eine Kooperation, doch man darf auf jeden Fall auf die OPEC-Jahrestagung gespannt sein.

Zu den großen Förderländern gehört inzwischen auch wieder die USA, wo die Förderkosten allerdings überdurchschnittlich hoch sind. In vielen Quellen sprudelt das Öl nicht mehr aus dem Boden, sondern muss mittels der umstrittenen Frackingtechnologie und hohem Energieaufwand aus dem Boden gepresst werden. Die entsprechenden Unternehmen müssen ein weiteres Absacken des Ölpreises daher besonders fürchten.

So verwundert auf den ersten Blick die Twitter-Breitseite, die US-Präsident Donald Trump in seiner üblichen diplomatischen Art laut Bericht des Handelsblattes gegen Saudi Arabien abfeuerte. Das Angebot würde die niedrigen Preise rechtfertigen, Saudi Arabien solle daher die Produktionsdrosselung sein lassen.

Nun fragt man sich, ob Trump, eigentlich ein Mann der Öl-Industrie, mal wieder nicht auf seine Berater hört. Aber vielleicht erhofft er sich von einem niedrigen Ölpreis auch mehr Spielraum für seine Drohungen und Attacken gegen Iran.

Wenn der Ölpreis nämlich ohnehin schon hoch ist, dann können ihn neue Spannungen am persischen Golf schnell durch die Decke treiben. Das aber wäre zurzeit tödliches Gift (nicht nur) für die US-Wirtschaft und würde den Auftraggebern des Präsidenten überhaupt nicht gefallen.

Die dritte Möglichkeit besteht darin, dass Trump den ökonomischen Segen eines niedrigen Ölpreises im Augenblick den Profiten der heimischen Ölindustrie vorzieht. Angesichts einer stotternden Weltwirtschaft, deren nachlassende Konjunktur über kurz oder lang auch die USA tangieren wird, wirkt ein niedriger Ölpreis wie eine Sauerstoffanimation.

Niedrige Energiepreise drücken die Inflation, machen Mittel für Konsum frei und verbilligen Investitionen. Andererseits belastet der Ölpreis inzwischen auch die ohnehin nicht in Feierlaune befindlichen Aktienmärkte.

Für die Süddeutschen ist bei all dem aber ein bisschen dumm, dass sie vom Ölpreisverfall wegen regionaler Sonderbedingungen nichts abbekommen. Wie berichtet, sorgen eine Explosion in einer bayerischen Raffinerie und das Niedrigwasser auf den Schifffahrtsstraßen dafür, dass im süddeutschen Raum Benzin, Diesel und Heizöl gegenwärtig knapp und daher teuer ist.

Auch so mancher Industriebetrieb muss derzeit lernen, dass die Folgen des Klimawandels richtig Geld kosten können. Dabei hat er gerade erst begonnen...

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