Onshore, Offshore oder gleich unter Wasser?

Windkraft bekommt Konkurrenz durch Meereskraftwerke

In der aktuellen Diskussion um die letzten Modalitären für das neue EEG plädiert der Bundesverband WindEnergie (BWE) für eine Rückbesinnung auf die Windkraft an Land und kritisiert eine Bevorzugung der großen Energiekonzerne und eine Fokussierung auf die Offshore-Windparks der Energiekonzerne. Die Bundesregierung denke immer noch in der alten Kraftwerkslandschaft, kritisiert der BWE-Präsident Hermann Albers.

Der BWE bezieht sich auf eine Untersuchung des IWES-Fraunhofer-Instituts, wonach - wenn man alle Naturschutzgebiete, Wälder und siedlungsnahen Bereiche ausklammert - 8 Prozent der Fläche Deutschlands als Standort für Windkraft geeignet seien. Bereits auf 2 Prozent der Landesfläche könnten 390 TWh Windstrom erzeugt werden - zum Vergleich: der Bruttostromverbrauch in Deutschland liegt jährlich bei rund 600 TWh. Die Offshore-Windkraft habe dagegen nur ein Potenzial von 100 TWh.

Aber auch die Offshore-Energiegewinnung entwickelt sich weiter und zwar auch bei der Nutzung der Meeresenergie. Zwei neue Kraftwerkstypen sind bereits im Einsatz und werden derzeit ausgebaut: Meeresströmungs- und Wellenkraftkraftwerke. Siemens ist letztes Jahr beim 1,2 MW Meeresströmungskraftwerk SeaGen in der irischen See eingestiegen und beteiligt sich jetzt am Bau einer 8 MW Anlage vor der schottischen Küste. Nachteil der Protypen sind noch ihre hohen Kosten, sie liegen laut Siemens noch doppelt so hoch wie Offshore-Windkraftanlagen. Allerdings werde dieser Nachteil durch die sehr viel höhere Energiedichte der Meereströmungen ausgeglichen.

Das Potenzial liegt laut Internationaler Energie Agentur bei weltweit 800 TWh Strom aus Meereströmungen. Allerdings sind Meeresströmungskraftwerke aus Wartungsgründen derzeit noch auf geringe Wassertiefen beschränkt. Die Rotoren sind typischerweise an Säulen montiert, die im Boden verankert sind. An diesen Säulen können die Rotoren für die Revision über die Wasseroberfläche gefahren werden.

Wellenkraftwerke in Form von "Pelamis" sind dagegen perspektivisch auch für Anlagen auf offener See geeignet, denn sie können über Seile auch in großen Meerestiefen festgemacht werden. Pelamis bestehen aus Röhrensegmenten, die gelenkig miteinander verbunden sind. Die Wellenbewegung treibt dabei Hydraulikpumpen für die Stromerzeugen an. Seit letztem Oktober testet E.ON einen 1 MW Pelamis-Prototyp in der schottischen See. Er ist 180 m lang und hat 4 m Durchmesser. Zur Wartung können solche Pelamis einfach in den Hafen geschleppt werden. Bis 2015 soll der bestehende Pelamis Offshore Park auf zwölf Anlagen erweitert werden. Projektleiter Amaan Lafayette geht davon aus, dass auch die Pelami-Technik in den kommenden Jahren günstiger wird und um das Jahr 2020 die Serienfertigung starten kann.

Periodische-Meereströmungen in der Nordsee. Bild: Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie