Operation Kieferbruch

US-Präsident Lyndon B. Johnson (links) bei einem Besuch von Südvietnam im Oktober 1966 mit General William Westmoreland, Leutenant General Nguyen Van Thieu und dem südvietnamesischen Regierungschef Nguyen Cao Ky. Bild: Public Domain

US-Militär wollte im Vietnamkrieg Nuklearwaffen einsetzen

Wie nunmehr bekannt gewordene Freigaben streng geheimer Akten belegen, begann der Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte im Vietnamkrieg, General William C. Westmoreland, im Februar 1968 eigenmächtig mit der Vorbereitung eines Nukleareinsatzes in Vietnam, meldet die New York Times. Unter dem Codenamen "Fracture Jaw" (Kieferbruch) sollten Nuklearwaffen nach Südvietnam verlegt werden, um bei der Verteidigung von Khe Sanh gegen nordvietnamesische Truppen eingesetzt zu werden. Für den Fall, dass sich die Umstände verschlechterten, wollte Westmoreland sowohl atomare als auch chemische Waffen einsetzen.

Von diesen Plänen erfuhr der Nationale Sicherheitsberater Walt W. Rostow, der umgehend Präsident Johnson alarmierte. Johnson sah sich in seinem Misstrauen gegenüber seinen Generälen bestätigt und befürchtete, dass der Vietnamkrieg ausgedehnt werde. Wie 1950 in Korea hätte dies die Chinesen auf den Plan rufen können, die inzwischen selbst zur Atommacht aufgestiegen waren. Der Präsident persönlich befahl eine Umkehr der Verlegungspläne sowie eine Überprüfung der Strategie, um etwa peinliche Niederlagen zu vermeiden.

Die Korrespondenz der Militärs hierzu wurde unter besondere Geheimhaltung gestellt. Die Dokumente waren bereits vor zwei Jahren ohne Aufsehen freigegeben worden, wurden jedoch vom Historiker des Präsidenten Michael Beschloss für dessen neues Buch "President's of War" aufgegriffen worden. Dieser urteilt, Johnson habe zwar im Umgang mit dem Vietnamkrieg ernste Fehler gemacht, man müsse ihm jedoch für die Vermeidung einer Entwicklung zum Atomkrieg dankbar sein. Nur Wochen später gab Johnson seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur bekannt. Kurz darauf wurden Mitbewerber Robert Kennedy wie auch Bürgerrechtler Martin Luther King unter bis heute unklaren Umständen ermordet.

Bereits im Koreakrieg hatte Präsident Truman seinen Generälen den Einsatz der Atombombe abgeschlagen, die bereits vorsorglich auf eine Basis im Pazifik verbracht worden worden. Beschloss zufolge soll Westmoreland jedoch deutlich entschlossener gewesen sein, dem Präsident den Verlegungs- und Einsatzbefehl abzupressen. Westmoreland forderte dann im Juni 1968, wie bereits historisch bekannt, den Einsatz von Nuklearwaffen gegen Hanoi, worauf Johnson den atomwaffenfreudigen General von seiner Position abzog.

Den Einsatz der Atombombe in Vietnam verlangte auch der vormalige Airforce-Chef General a.D. Curtis E. LeMay in aller Offenheit. Gemeinsam mit dem Rechtspopulisten George Corley Wallace trat LeMay 1968 im US-Präsidentschaftswahlkampf für die neu gegründete ultrarechte American Independent Party an (Der General, der Präsident - und die Bombe). Die Wahl gewann Richard Nixon.

50 Jahre nach Johnsons Veto diskutierte dieses Jahr der amtierende US-Präsident öffentlich den Einsatz der Bombe in Nordkorea. Vermutlich waren es diesmal die Militärs, die Unbehagen äußerten.