Ostern für alle: die Jobs stehen schon bereit

Außer Kontrolle

In österlicher Geschenkstimmung bietet Ulrich Marseille keine bemalten Ostereier an, sondern Jobs für Langzeitarbeitslose. Wenn die nur nicht so faul und gierig wären...

Ach, Ostern... überall stolpert man über (künstlich) begrünte Nestchen mit putzig bemalten, beklebten oder gefärbten Eiern oder gülden schimmernden Schokoladentierchen. Meister Lampe hat seine Kiepe vollgefüllt und hoppelt umher, um Geschenke zu verstecken. Und mit ihm zusammen hoppelt Meister Marseille, seines Zeichens Freund von Donald Trump und [ http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/0,2828,grossbild-2229415-667919,00.html Thomas Middelhoff], el Chefe der Marseiller Kliniken AG, der aus seiner Wunderkiepe gar viele lustig bunte Überraschungseier mit der Aufschrift "Jobs für Langzeitarbeitslose" zieht.

Betrübt wackeln die Öhrchen des kreativen Millionärs, wenn er feststellt, dass die Arbeitsagenturen ihm denn nicht die kleinen Pflegeelfen nach Hause senden wollen, die er so dringend benötigt und denen er so gerne zur Seite stehen würde, wie er es bei Freunden wie Thomas Middlehoff und Co. ja auch getan hat. 300.000 Langzeitarbeitslose, so Herr Marseille, könnten seiner Schätzung nach sofort bei den Kliniken anfangen, für 500 hätte er sofort ein Überraschungsei bereit. Aber stehen jetzt etwa die dankbaren Langzeitarbeitslosen Schlange vor den Eingangstüren der Marseille Kliniken? Wir ahnen es... die Antwort lautet: Nein. Und die Bundesagentur für Arbeit zeigt sich so gar nicht bereit, dem armen Herren, der angetreten war, der "Preisdiscounter" im Pflegebereich zu werden, unter die vom jüngst bilanzierten Verlust gebeutelten Arme zu greifen.

Dabei meint es der einst schillernde Herr Marseille, der anscheinend nach seinem bitteren Verlust auch für sich schon die HartzIV-Wolken am Himmel aufziehen sieht, doch nur gut. Endlich sollen sich Menschen auch ein Pflegeheim leisten können, auch wenn dieses Niedrigsegment des Pflegesektors mit ebenso niedrigen Segmenten des Pflegedienstgehaltsektors erkauft werden muss. Und eigentlich wäre es doch die staatsbürgerliche Pflicht, so Herr Marseille, dem Staat etwas zurückzugeben.

Nein, nein, damit meint er jetzt nicht, dass er etwas gibt, sondern die Langzeitarbeitslosen, die anscheinend der Meinung sind, das die Marseilleschen Ostereier in ihrer Beschaffenheit eher den tausendjährigen Äquivalenten ähneln, wenngleich sie auch nicht so schmackhaft daherkommen. Denn das österliche Geschenk des barmherigen Samariters Ulrich soll (immerhin will man den Langzeitarbeitslosen ja keinen Schock versetzen, indem man sie regulär einstellt) natürlich nur monatlich bis zu 400 Euro einbringen.

Milde lächelnd gibt Herr Marseille auch zu, dass er damit natürlich monatlich bis zu 1.400 Euro pro Person sparen würde - solche Überlegungen (da darf es keine Denkverbote geben) ist er dann wohl auch den Aktionären des Klinik"discounters" schuldig. Aber für die ei-frig die Geschenke annehmenden HartzIVler wäre das ja auch ein Riesenschritt auf der Karriereleiter, denn immerhin würden sie nach 2 Jahren, so sie sich denn bewähren, auch einen regulär bezahlten Job angeboten bekommen. Ja, dafür kommt man doch gerne seiner staatsbürgerlichen Pflicht nach und gibt den Marseille Kliniken, ähm... dem Staat etwas dafür zurück, dass er einen nicht verhungern lässt. Eigentlich sollte man in das Marseillische Dreamteam nur noch Adecco mit einbinden, die dann von den bis zu 400 Euro monatlich noch 300 Euro für die Abrechnung kassieren, dann würde auch Herr Clement noch davon profitieren...

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