Pakistan: Schmelzwasser bedroht Bergbewohner

Khurdopin-Gletscher in Pakistan. Bild: Nasa

Am Hindukusch wird der Klimawandel durch Gletscherschwund zur tödlichen Gefahr

Zu den weniger bekannten Risiken des Klimawandels gehört das Zusammenbrechen von Gletscherseen als Folge der fortschreitenden Erwärmung. Wenn Gebirgsgletscher tauen, staut sich ihr Wasser mitunter hinter Wällen von Geröll, Erde und Eis. Irgendwann brechen diese zusammen und entlassen Flutwellen ins Tal, Fluten, die nicht nur aus Wasser bestehen, sondern auch Schlamm, Geröll und große Felsbrocken mit sich reißen. Ist das Tal bewohnt, dann sind die Folgen meist katastrophal und vielfach tödlich.

Die britische Zeitung Telegraph berichtet von einer Flut im Juli 2018 in Gilgit-Baltistan, dem nördlichen Teil der von Pakistan besetzten Hälfte Kaschmirs. Ein Frühwarnsystem habe rechtzeitig zur Evakuierung geführt, sodass niemand zu Schaden kam.

Doch viele Einwohner des Dorfes Badswat verloren all hier Hab und Gut, wie die pakistanische Zeitung Dawn schreibt. Dies sei in dem betroffenen Tal die erste derartige Flutwelle seit Menschengedenken gewesen.

Etwas westlich davon, an der Grenze zu Afghanistan, ging es 2010 weniger glimpflich ab, schreibt der Telegraph. Dort sei es in der Nähe der pakistanischen Grenzstadt Chitral seinerzeit zu einem ähnlichen Ereignis gekommen, bei dem fast 2000 Menschen starben und tausende Gebäude und Wohnungen zerstört wurden.

In Pakistan treffen mit dem Himalaja, dem Hindukusch und dem Karakoram gleich drei Hochgebirge aufeinander. Dadurch hat das Land mehr Gletscher als irgend ein anderes außerhalb der Polarkreise. Die Angaben über die Zahl dieser Eismassen variieren stark und scheinen von der Definition abzuhängen.

Mal ist von 5000, mal von 7000 Gletschern die Rede. Eine wissenschaftliche Dokumentation spricht jedenfalls von einer Fläche von 15.000 Quadratkilometer, die mit Eis bedeckt sei. Das entspricht nicht ganz der Fläche Schleswig-Holsteins.

Das UN-Entwicklungsprogramm UNDP unterstützt Pakistan in Vorsorgemaßnahmen, wozu unter anderem Aufforstung, der Bau von Flutsperren und der Aufbau von Frühwarnsystemen gehört. Beim UNDP ist die Rede davon, dass die Gletscher 30 bis 60 Meter pro Jahrzehnt schrumpfen.

Fast alle Gletscher wären in den letzten 50 Jahren kleiner geworden, schreibt der Telegraph. Die Meteorologen gäben an, dass sich die Region in den letzten 80 Jahren um 1,4 Grad Celsius erwärmt habe. Im Flachland seien es hingegen nur 0,6 Grad Celsius gewesen. Neben den steigenden Temperaturen setzt dem Eis auch der Ruß zu. Dieser ist nicht nur in der Region ein großes Gesundheitsproblem sondern seine Ablagerung wird von der Sonne erwärmt und schmilzt das Eis.

Der Telegraph schreibt, dass es in Pakistan inzwischen 3.000 Gletscher Seen gebe. Eine Untersuchung habe in Gilgit-Baltistan und der angrenzenden pakistanischen Provinz Khyber Pakhtunkhwa 33 von ihnen identifiziert, die demnächst brechen könnten. Sieben Millionen Menschen seien gefährdet.

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