Panik-Attacken

Chinas Behörden sorgen durch Überreaktion für ungewolltes Medienecho für Protestaufrufe

Trotz weiterhin kräftigen Wirtschaftswachstums und einer völlig anderen sozialen Lage als in den meisten arabischen Ländern reagieren die chinesischen Behörden offensichtlich reichlich nervös auf die dortigen Unruhen und Revolutionen. Das in Bangkok erscheinende Internetmagazin Asia Times Online berichtet kurz über bizarre Ereignisse, die sich am vergangenen Wochenende in der Volksrepublik zutrugen. Über eine im Ausland von Dissidenten betriebene Webseite war zu Protesten in 13 Städten nach dem Muster der Aktionen in arabischen Ländern aufgerufen worden.

Die chinesischen Behörden bekamen frühzeitig Wind von der Sache und reagierten vollkommen überzogen: Im Vorfeld seien verschiedene bekannte Oppositionelle festgenommen und einige von ihnen sogar misshandelt worden. Doch offensichtlich hatten sie oder die meisten von ihnen gar nicht die Absicht, teilzunehmen. Der britische Guardian schreibt, dass die meisten von ihnen erst durch die Verhöre bei der Polizei von dem Aufruf erfuhren. Die Aktion selbst soll schließlich wesentlich mehr Polizisten, Journalisten und Neugierige als Demonstranten angezogen haben. Durch den Polizeieinsatz und die Festnahmen im Vorfeld sei das Ganze erst zu einem Medienereignis geworden.

Auf China Digital Times berichtet ein Blogger über den Aufruf im Internet, die Reaktionen der Behörden und schließlich, wie vor dem Treffpunkt in Beijing sich Unmengen von Polizei, Neugierigen und ausländischen Journalisten angesammelt haben. Er schließt seinen Beitrag mit folgenden Betrachtungen:

To be honest, when Shudong posted the call to protest, I felt absolutely certain that it was a joke. Even now I still feel like it was a joke. Not only do I feel this way, but a lot of people also feel this way. If the government hadn’t had such a big reaction, I believe that not so many people would have participated in the Jasmine Revolution. Unfortunately, for those who have guilty consciences, at a certain point, demons can be heard in the sound of the midnight wind.

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