Papst zieht Bann gegen Titanic zurück

Heiliger Stuhl stoppt PR-Kampagne für Satire-Zeitschrift

In der Pressekammer des Hamburger Landgerichts sollte am morgigen Freitag die Messe für den Heiligen Vater gelesen werden, der kürzlich deutsche Publizisten per einstweilige Verfügung in den Bann genommen hatte. Die Macher des Titanic-Magazins, dessen Auflage nach der apostolischen Nummer explodierte, leisteten heiligen Widerstand und behielten den Pontifex auch in der folgenden Ausgabe auf dem Titel. Für die morgige Verhandlung hatte sich die gesamte Redaktion zu einer Wallfahrt in den Raum B 335 des Landgerichts Hamburg angekündigt. Bereits heute ketteten sich die zensierten Blattmacher symbolisch an den Hamburger Michel an. Politiker der Partei DIE PARTEI hatten aus Solidarität für Freitag einen Mittelaltermarkt mit Jongleuren, Tanzbären und einem Pranger angekündigt.

Doch zeitgleich gaben die Spielverderber von der "Deutschen Bischofskonferenz" eine Rücknahme des Verfügungsantrags bekannt:

"Nach eingehenden Beratungen ist der Heilige Stuhl zur Entscheidung gelangt, eine Rücknahme des Antrags auf einstweilige Verfügung gegen den Titanic Verlag zu veranlassen. Zugleich werden weitere rechtliche Maßnahmen geprüft, um Angriffen auf die Würde des Papstes und der katholischen Kirche wirksam zu begegnen."

Das Magazin ist mit einstweiligen Unterlassungsverfügungen routiniert, vorliegend handelte es sich um die 39. verbotene Ausgabe. Ein Großteil des Kaufpreises wird für juristische Auseinandersetzungen verwandt. Da die Auflage im wesentlichen an Abonnenten verschickt wird, die ihr Heft zum Zeitpunkt eines gerichtlichen Verbots bereits in Händen halten, beschränken sich derartige Zensur-Versuche praktisch auf eine Hilfestellung zum Streisand-Effekt. Im Internet war der geächtete Titel ohnehin nie verschwunden, sondern im Gegenteil Gegenstand ausgiebiger Berichterstattung.

Nach Wegfall des PR-Partners Benedikt XVI. liegen nun die Hoffnungen der Satiriker beim Deutschen Presserat, der sich am 27.09.2012 mit 175 Beschwerden gegen die Papstausgabe befassen wird. Es wäre unkollegial vom aus Verlegern und Journalisten gebildeten Presserat, wenn dieser für die Kollegen keine Werbung durch Rügen und Missbilligung machen würde.

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