Penistransplantation in Südafrika geglückt

Twister (Bettina Hammer)
Außer Kontrolle

In Südafrika ist es einen Team von Ärzten erfolgreich gelungen, einen Penis zu transplantieren. Das Thema ist weniger boulevardesk, als es auf den ersten Blick erscheint

Penistransplantationen erscheinen so manchem eher als Luxusproblem der ersten Welt oder aber als Thema für die Boulevardpresse. Wie auch das Thema Brustoperationen wird es eher als amüsant wahrgenommen, als unnötig oder als Nischenthema. Dabei ist die Transplantation des Penis kein triviales Thema.

Während Transplantationen von inneren Organen zwar körperliche Komplikationen mit sich bringen können, ist bei der Penistransplantation das größere Problem jenes, was sich auch aus anderen sichtbaren Transplantationen ergibt: die Akzeptanz des fremden, nicht unsichtbaren Körperteiles als Teil des eigenen Körpers. Dies führt nicht selten zu seelischen Problemen.

Als vor einigen Jahren in China die erste Penistransplantation erfolgreich durchgeführt wurde, wurde der Penis später wieder entfernt, da sowohl der Patient als auch dessen Partnerin sich zu stark durch das fremde Körperteil befremdet fühlten.

Das Team um Andre von der Merwe, das in Südafrika die Operation durchführte, hat am Freitag, dem 13. März 2015, mitgeteilt, dass diese Komplikation bei ihrem Patienten nicht eingetreten sei. Der Penis sei voll funktionstüchtig, Erektionen seien möglich und der Patient sei sexuell aktiv und haben den fremden Penis als seinen akzeptiert. Dazu beigetragen habe auch, dass bereits vor der Operation auch die psychische Gesundheit des Patienten beleuchtet wurde, ferner sei er vor und nach der Operation betreut worden.

In Südafrika ist eine Penistransplantation Hoffnung für viele junge Männer, die als Folge fehlerhaft durchgeführter Beschneidungsrituale bisher ohne Penis leben müssen. Geschätzte 250 Fälle dieser Beschneidungsfolgen gebe es jährlich in Südafrika, heißt es. Offizielle Zahlen liegen nicht vor, ebenso wenig wie für die ggf. daraus resultierenden Selbstmorde. Van der Merwe geht jedoch davon aus, dass diese Selbstmorde passieren.

Der Schock, den Penis zu verlieren, so von der Merwe, sei für einen jungen Mann traumatisch. Oft könne dieser nicht damit umgehen. Das Ritual namens Ulwaluko, das von dem Stamm der Xhosa praktiziert wird, ist das traditionelle Ritual für den Übergang zur Erwachsenenwelt. Die jungen Männer gehen in die Berge, dort fasten sie und werden schließlich von einem Ingcibi beschnitten, der sich auch um die Wundversorgung kümmert.

Doch für den Ingcibi gelten keinerlei Hygienevorschriften, oft sehen diese auch in dem Ritual eine Möglichkeit, auszutesten, wie stark und leidensfähig dieser sei, weshalb Schmerzen nicht ernstgenommen oder gar als Zeichen für Wehleidigkeit interpretiert werden. Dabei führen verunreinigte und veraltete, stumpfe Werkzeuge und mangelhaft sterilisierte Verbände aus Tierfell etc. oft zu Infektionen oder eben zu dem Verlust des Penis. Bilder der diversen Komplikationen als Folge der Beschneidung lassen sich hier ansehen - auf einer Webseite, die als Teil einer Kampagne gegen das Ritual in seiner bisherigen Form fungiert.

In den Jahren 1994 bis 2014 starben 885 junge Männer an Folgen des Ulwaluko, wobei auch Schock, Unterernährung und Wassermangel zu diesen Folgen zählen. Für den Ingcibi ist dieses Ritual ein lohnendes Geschäft, was dadurch, dass diejenigen, die nicht am Ritual teilnehmen, geächtet werden, aufrechterhalten wird – ca. 25 Euro pro Eingriff erhält der Ingcibi.

Für Männer, die als Folge des Rituals mit einem verkrüppelten Penis oder ohne Penis leben müssen, ist das weitere Leben schwer, da sich innerhalb der Xhosa der Wert eines Mannes noch immer über dessen Nachkommen definiert. Die Opfer werden daher weniger als Opfer wahrgenommen denn als Verlierer und werden nicht selten zu Ausgestoßenen bzw. Geächteten. Für sie könnten Penistransplantationen, sofern sie erschwinglich sind, Chancen bieten, auch wenn es an erster Stelle erstrebenswert ist, vom Ulwaluko selbst Abstand zu nehmen.