Peter Hartz hat neue Vorschläge für Arbeitslose

Der 72-Jährige empfiehlt unter anderem "Gesundheitscoaching", "Talentdiagnostik" und einen "Beschäftigungsradar"

Der ehemalige Volkswagen-Personalvorstand Peter Hartz leitete zu Anfang der Nuller Jahre die Regierungskommission für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt. Seitdem steht sein Name für die weitgehende Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe, mit der die rot-grüne Bundesregierung unter Gerhard Schröder und Joseph Fischer viel Unmut auf sich zog. Am 25. Januar 2007 - gut zwei Jahre nach der Einführung von "Hartz IV" - verurteilte das Landgericht Braunschweig Peter Hartz im Rahmen der Gewerkschafterkorruptionsaffäre wegen Untreue und Begünstigung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung. Danach wurde es recht still um den Manager aus dem Saarland.

Das soll sich nun ändern. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung kündigt der gelernte Industriekaufmann ein neues Buch mit dem Titel "Wege aus der Arbeitslosigkeit" an und wartet vorab mit einigen neuen Vorschlägen auf, mit denen er vor allem Langzeitarbeitslose auf Vordermann bringen will: Weil sie sich seiner Ansicht nach mit zunehmender Dauer der Arbeitslosigkeit "im Kopf verändern", "ziehen [sie] sich zurück und verwenden ihre verbleibende Kraft darauf, sich mit der Situation zurecht zu finden, statt sich daraus zu befreien".

Da der Arbeitslose sich nicht selbst befreit, muss der Staat ihn Hartz zufolge in seiner Situation "abholen". Dafür empfiehlt der Ehrendoktor der Universität Trier drei neue Maßnahmen - darunter ein "Gesundheitscoaching", in dessen Rahmen Ex-Arbeitslose als Mentoren tätig werden und auf Verhaltensänderungen hinwirken sollen, die nach Ansicht des Zweiter-Bildungsweg-Betriebswirts das Selbstbewusstsein steigern. Als weitere Maßnahme schlägt er eine "Talentdiagnostik" vor, mit der die Arbeitsagenturen herausfinden sollen, ob und welche verborgenen Fähigkeiten in einem Langzeitarbeitslosen schlummern. Handfester ist sein dritter Vorschlag: ein "Beschäftigungsradar", mit dem die intensive und automatisierte Arbeitsplatzsuche auf einen Umkreis von 30 Kilometern ausgedehnt werden soll.

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