Pimp my Impact Factor

Häufig wird auf Wissenschaftsautoren Zwang zum Zitieren ausgeübt, um den Journal Impact Factor zu erhöhen

Eigentlich nichts Neues: Der sehr umstrittene aber weitgehend als Indikator wissenschaftlicher Qualität erachtete Journal Impact Factor (JIF) lässt sich leicht manipulieren, z.B. über eine Erhöhung der Anzahl der Reviews in einem Journal (denn diese werden im Zähler, aber nicht im Nenner der JIF-Formel mitgezählt), höhere Publikationsdichte, schnellere Publikationszyklen oder Selbstzitate, sprich Zitate von Artikeln des Journals X auf andere Artikel des Journals X.

Aber auch wenn diese Manipulationsmöglichkeiten bekannt sind und jeder weiß, dass diese auch genutzt werden, ist es umso wichtiger, diese Manipulationen zu belegen: Unbelegte Aussagen sind Spekulationen, Hörensagen, Tratsch und damit wertlos. Wilhite & Fong haben einen solchen Beleg erbracht und ihn in Science unter dem Titel Coercive Citation in Academic Publishing publiziert.

Die Autoren werteten für ihre Studie über 6.672 Antworten von Wissenschaftlern aus Psychologie, Soziologie, Wirtschaftswissenschaften und verwandten Fächern plus Publikationsdaten von 832 Journalen der besagten Fächer aus. Bei Publikationen in 175 Journalen wurde Zwang zum Zitieren dieses Journals ausgeübt, viele der Journale wurden mehrfach genannt - von einem wurden gar 49 Versuche erzwungener Selbstzitate berichtet. Insgesamt gaben 20% der antwortenden Wissenschaftler an, solchen Versuchen der Einflussnahme ausgesetzt gewesen zu sein. Eine recht hohe Zahl, die vielleicht durch den Umstand leicht verzerrt sein könnte, dass die Bereitschaft zur Teilnahme an solchen Umfragen steigt, wenn man selbst betroffen ist.

Autoren reagieren anscheinend empfindlich auf solche Einflussnahme: 84% der antwortenden Wissenschaftler bewerten sie als unangebracht, 81% gaben an, sie wirkten sich negativ auf das Ansehen eines Journals aus und 64% gaben an, in einem solchen Journal keine Artikel mehr zu publizieren. Die soziale Erwünschtheit, die in solchen Befragungen Antworten, die im Einklang mit gesellschaftlichen Normen stehen, begünstigen, im Hinterkopf sind 64% zukünftiger Verweigerer allerdings kein sehr beeindruckender Wert. 57% der Wissenschaftler merkten auch an, bei zukünftigem Einreichen von Artikel in solchen Journalen gewissermaßen vorauseilend Selbstzitate hinzuzufügen.

Generell geben jüngere Autoren der Einflussnahme eher nach als etablierte Wissenschaftler. Zudem existieren fachliche Klumpungen: Anscheinend verleitet der Konkurrenzdruck im Fach, der durch Beeinflussung in anderen Journalen entsteht, ebenfalls zur Einflussnahme im eigenen Journal. Überdies wird in Journalen kommerzieller Verlage eher Druck auf die Autoren ausgeübt als in solchen, die in Non-Profit-Verlagen erscheinen.

In einem Nature-Artikel von Richard Van Noorden wird Marie McVeigh, bei Thomson Scientific verantwortlich für die Journal Citation Reports JCR, aus denen der JIF berechnet wird, wiedergegeben, die sagt, man überwache steigende Impact- Faktoren, die auf einer Zunahme der Selbstzitationen beruhen, und schließe betroffene Journale ab Erreichen eines signifikanten Wertes für zwei Jahre von der Auswertung aus. Im letzten Jahr seien 33 der 10.000 Journale im JCR davon betroffen gewesen. Vermutlich aber setzt man bei Thomson Scientific den Schwellenwert für den akzeptablen Anteil an Selbstzitaten recht hoch an, schließlich wurde diese Praxis allein in der Studie von Wilhite & Fong für 175 Journale berichtet.

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