Plagiatsvorwürfe gegen Bildungsministerin Schavan

Die Ministerin wehrt sich gegen die Vorwürfe, Quellen in ihrer Dissertation nicht sauber angegeben zu haben

Nun sieht sich auch Bundesministerin Annette Schavan mit dem Vorwurf "mutmaßlicher Plagiate" konfrontiert. Publik macht sie das Blog Schavanplag, dessen Betreiber unbekannt ist. Das Blog wird in den USA gehostet. Unter dem nicht verifizierbaren Namen "Robert Schmidt" wurden gestern Faxe an Nachrichtenagenturen und Medien mit Hinweisen auf das Blog verschickt.

Schavanplag listet verdächtige 56 Stellen aus der 325 Seiten (ohne Inhalts- und Literaturverzeichnis) starken Dissertation mit dem Titel "Person und Gewissen. Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung" auf. Dabei handelt es sich um Stellen, die vom Blogbetreiber den Kategorien "Verschleierung" oder "Bauernopfer" zugewiesen werden., Textstellen, die mit Umformulierungen übernommen wurden, ohne die Quellen ausreichend zu benennen. Von vollständigen, nicht belegten, wortwörtlichen Textübernahmen ("copy&paste") ist nicht die Rede. Doch erhebt das Blog ausdrücklich Plagiatsvorwürfe:

"Bei der einen oder anderen Stelle (...), die ich als Plagiat gewertet habe, mag man der Ansicht sein, dass sie nur unsauber oder zu geringfügig ist; dass die Verfasserin plagiiert, lässt sich aber schlecht bestreiten."

Die Promotionskommission der Philosophischen Fakultät der Universität Düsseldorf, wo der Dissertation 1980 im Fach Erziehungswissenschaften die Note „magna cum laude“ erteilt wurde, will die Plagiatsvorwürfe nun prüfen – Schavan soll darum gebeten haben. Schavan selbst äußerte sich zu den Vorwürfen dahingehend, dass sie bereit sei, "Rechenschaft über die Quellen zu geben" und übte Kritik am Vorgehen:

"Mit anonymen Vorwürfen kann man schwerlich umgehen."

Doch geht es bei den Vorwürfen um die Sache und auch nicht um die Quellen an sich, sondern darum, wie deutlich Textstellen als Übernahmen gekennzeichnet wurden. Er könne niemandem empfehlen, sich öffentlich zu outen, äußert sich Martin Heidingsfelder von VroniPlag zum Fall Schavan. Er bewertete die Veröffentlichung der Vorwürfe als "mutig". Er selbst habe mehrere Wochen an dem Fall gearbeitet, von einer Veröffentlichung aber abgesehen. Heidingsfelder bekräftigt zwar die Vorwürfe, ist aber laut seiner Äußerungen von der Schwere des Falles nicht überzeugt.

"Einige Stellen in Frau Schavans Arbeit sind aus meiner Sicht ganz klar Plagiate, aber insgesamt handelt es sich um keinen zweiten Fall Guttenberg."

Die Messlatte im Fall Schavan liegt hoch. Da ist zum einen das Amt als Bildungsministerin, die ausgezeichnete Note, "magna cum laude", die ihr verliehen wurde und nicht zuletzt die Bekundung hoher Ansprüche, die Schavan bei der Affäre Guttenberg, geltend machte. In Zusammenhang mit der Relativierung der Plagiate Guttenbergs von manchen Seiten, auch innerhalb der Regierung, als Kavaliersdelikt, sprach sie davon, dass "die Art der öffentlichen Debatte (..) all jene verletzt (hat), die für hohe Standards der Wissenschaft in Deutschland eintreten und sich in ihrer eigenen Arbeit darum bemühen." Wissenschaftliche Integrität sei ein "hohes Gut", betonte die Ministerin in einem Interview "Ich schäme mich nicht nur heimlich".

Akademisch wird der Promotionsausschuss das entscheidende Wort haben. Doch ist davon auch die öffentliche Diskussion über die Bewertung von Kopien und den legitimen Umgang mit ihnen berührt. Immerhin hat die Bildungsministerin auch dazu eine dezidierte Haltung:

"Das gilt. Raubkopien sind kein Kavaliersdelikt. Der Schutz des geistigen Eigentums ist ein hohes Gut."