Plötzliche Löschwut

Unmittelbar nach den Schlüsselfunden zur Aufklärung der Dönermorde vernichtete das Bundesamt für Verfassungsschutz Geheimdossiers über die Zusammenarbeit mit dem Thüringer Heimatschutz

Am 11. November verkündete die Bundesanwaltschaft, dass es sich bei der im Nachlass der beiden toten Bankräubverdächtigen Uwe M. und Uwe B. gefundenen Česká um die Pistole handelt, mit der die so genannte Dönermordserie verübt wurde, und dass "zureichende Anhaltspunkte" dafür vorliegen, "dass die Mordtaten einer rechtsextremistischen Gruppierung zuzurechnen sind". Wie jetzt im Bundestags-Untersuchungsauschuss ans Licht kam, vernichtete ein Mitarbeiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz am exakt selben Tag Geheimdossiers zum Thüringer Heimatschutz, in dem die B. und M. früher aktiv waren. Konkret soll es darin unter anderem um die "Operation Rennsteig" gegangen sein, in deren Rahmen Verfassungsschutz und Militärischer Abschirmdienst (MAD) zwischen 1997 und 2003 angeblich enge Kontakte zu V-Leuten aus dieser Neonazigruppe pflegten.

Diese merkwürdige Übereinstimmung erklärt man beim Bundesamt für Verfassungsschutz damit, dass dem Mitarbeiter just zu diesem Zeitpunkt eine Anweisung zu den Aufbewahrungsfristen für solche Akten eingefallen sei, an die er sich dann unverzüglich hielt. Weil nicht alle Abgeordneten im Untersuchungsausschuss wirklich ganz zufrieden mit dieser Erklärung sind, könnte es sein, dass sich der Verfassungsschutzmitarbeiter und seine Vorgesetzten noch ein paar Fragen über ihre Tätigkeit und ihre Verbindungen gefallen lassen müssen. Mittlerweile beschäftigt man sich auch im Parlamentarischen Kontrollgremium für die Geheimdienste (PKGr) mit diesem recht merkwürdigen Zufall.

Aber nicht nur über den Verfassungsschutz und den MAD, sondern auch über die deutschen Polizeibehörden fördert der Untersuchungsausschuss zur Zwickauer Zelle einiges an Seltsamkeiten zutage: Dem Ausschussmitglied Petra Pau zufolge war nicht nur die Hamburger Polizei einem iranischen Hellseher bei der Visaerteilung behilflich, damit dieser ihr sagt, in welche Richtung sie ermitteln soll: Auch im katholischen Köln setzten die Ermittler bei ihrer Arbeit auf okkultistische Methoden, von denen man bis vor kurzem noch glaubte, dass sie nach den _1922-05-09_Traudl,_3._Medium: Hinterkaifeck-Morden in den 1920er Jahren ausgestorben seien.

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