Polens Parlament verabschiedet Gesetz zur Zwangskastration verurteilter Pädophiler

Bei Roman Polanski, dem sexueller Missbrauch einer Minderjährigen vorgeworfen wird, ist man jedoch milder gestimmt.

Praktisch einstimmig hat das polnische Parlament am letzten Freitag dafür gestimmt, dass Sexualtäter, die Verbrechen gegen Minderjährige unter 15 Jahren begangen haben, chemisch kastriert werden können. Wenn auch der Senat zustimmt, in dem die Regierungspartei PO eine Mehrheit hat, wird Polen das erste Land in der EU und eines der wenigen weltweit werden, in dem Pädophile mit Medikamenten durch Verminderung des Sexualtriebs "entschärft" werden.

Die Gerichte sollen ein halbes Jahr vor der Freilassung der Täter auf der Grundlage von Gutachten entscheiden, ob die Kastration erforderlich ist. Regierungschef Tusk hatte letztes Jahr die Zwangskastration von Pädophilen gefordert, nachdem der Fall eines Vaters bekannt wurde, der seine Tochter Jahre lang sexuell missbraucht hatte. Der Fall hatte in Polen großes Interesse erregt. "In Polen sollte die chemische Kastration eingeführt werden, und zwar nicht auf Wunsch des Angeklagten, wie bisher, sondern als Zwangsmaßnahme. Menschenrechtler wird das bestimmt verstören, doch meiner Meinung nach verdienen Kreaturen, die so etwas machen, nicht die Bezeichnung Mensch. Von Menschenrechten sollte man hier also nicht sprechen", sagte Premierminister Tusk. Die Regierung teilte mit, dass mit der chemischen Zwangskastration dem Täter geholfen und eine Wiederholung verhindert werden soll.

Im Fall des Filmemachers Roman Polanski ist die Regierung allerdings milde gestimmt. Polanski war aufgrund eines amerikanischen Haftbefehls in der Schweiz inhaftiert worden, weil er 1977 Geschlechtsverkehr mit einer damals 13-Jährigen hatte. Der in Polen geborene Regisseur, der sowohl polnischer wie auch französischer Staatsbürger ist, war seitdem nicht mehr in den USA und wehrt sich gegen den Vorwurf. Er behauptet, es habe sich um keine Vergewaltigung gehandelt.

Nun will sich nicht nur der französische Außenminister Kouchner, sondern auch sein polnischer Kollege Sikorsk an US-Präsident Obama wenden, damit dieser den berühmten Polen begnadigt. Von Zwangskastration ist nicht die Rede.

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