Populäre Kampfdrohnen in neuer Version

Höher, schneller, weiter: Die konkurrierenden Hersteller der Langstreckendrohnen "Heron" und "Predator" rüsten ihre weltweit beliebten Modelle auf

Der israelische Rüstungskonzern Israel Aerospace Industries (IAI) hat auf der Singapore Airshow vergangene Woche eine neue Version seines Erfolgsmodells "Heron 1" gezeigt. Die Drohne kann demnach mit einem Motor ausgeliefert werden, der Schweröl verbrennt. Dies sei laut dem IAI-Vorstandsvorsitzenden notwendig, da immer mehr Kunden nach schwer entflammbarem Kraftstoff verlangten. Der Motor wird von der italienischen Firma Diesel Jet gefertigt, die zur Fiat-Gruppe gehört. Das Modell firmiert als "Super Heron HF" (Heavy Fuel) und ist eine Langstreckendrohnen der sogenannten MALE-Klasse ("Medium Altitude Long Endurance").

Das neue Triebwerk ermöglicht weitere Features. Hierzu gehört eine größere Dienstgipfelhöhe, eine höhere Geschwindigkeit und Reichweite sowie mehr Abfluggewicht. Die "Heron" befördert nun mehr als 1,4 Tonnen. Komponenten zur Flugsicherheit können so dreifach ausgelegt werden. Erkennbar ist die "Super Heron HF" an ihren "Flügelendscheiben", wie die sogenannten "Winglets" auf deutsch genannt werden. Neben dem neuen Modell existiert mit der "Heron TP" eine andere Weiterentwicklung der bekanntesten israelischen Drohne. Sie wird unter anderem von der Bundeswehr geflogen. Auch Frankreich hatte Interesse an der "Heron TP", entschloss sich aber zum Kauf beim US-Konkurrenten General Atomics.

General Atomics vertreibt die "MQ-9 Reaper", die wiederum eine Weiterentwicklung der "Predator" darstellt. Zeitgleich mit IAI verkündete auch der US-Rüstungskonzern eine größere Reichweite der "Reaper". Allerdings wird diese durch zwei Zusatztanks erzielt. Die US-Luftwaffe hat die Firma nun mit der Nachrüstung von 38 Drohnen beauftragt. Der Vertrag ist auf 117 Millionen Dollar dotiert. Die Firma arbeitet auch an neuen Flügelsystemen, wohl um mithalten zu können im Konkurrenzkampf mit IAI. Dann könnten die externen Tanks in die Flügel verlagert werden.

Auch in Europa zeichnet sich ein Kampf zwischen britischen, französischen und deutschen Rüstungskonzernen zur Vormachtstellung bei militärischen Drohnen ab. Allerdings geht es nicht um Langstreckendrohnen der MALE-Klasse, sondern um moderne, schnittige Kampfdrohnen.

Airbus Space & Defence (früher EADS) entwickelt beispielsweise den Nurflügler "SAGITTA – Open Innovation". Die Drohne ist lediglich als Forschungsobjekt konzipiert. Das Bundesministerium der Verteidigung ist diesem "Demonstrator" beteiligt, die Universität der Bundeswehr München übernimmt entsprechende Forschungen. SAGITTA sowie eine entsprechende Bodenkontrollstation sollen bis 2014 entwickelt und dann flugerprobt werden. Die Bundeswehr will dann Flugplätze zur Verfügung stellen. Weitere Beteiligte sind das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt Oberpfaffenhofen und Braunschweig, die Hochschule für angewandte Wissenschaften (Technische Hochschule) Ingolstadt sowie die Technische Universität Chemnitz.

Auch der britische Luft- und Raumfahrtkonzern BAE Systems entwickelt mit "Taranis" einen Nurflügler und ist EADS mindestens einen Schritt voraus. Im Sommer startete die Kampfdrohne in Australien zum Erstflug. Die "Taranis" ist als Stealth-Drohne konstruiert, die vom Radar schwer zu erkennen ist und so bei Angriffen weit ins gegnerische Gebiet vorstoßen kann. Sie ist aber auch als "Demonstrator" angelegt. Eine Indienststellung ist für das Jahr 2030 geplant. Ein Konsortium von SAAB (Schweden), HAI (Griechenland), Alenia Armacchi (Italien), EADS CASA (Spanien) und RUAG Aviation(Schweiz) entwickelt die Stealth-Drohne "NEURON", die ebenfalls zur Erprobung und als Demonstrator dient. Ihr Erstflug fand jedoch bereits im Dezember 2012 statt.Auch die USA experimentieren mit einer Stealth-Drohne der Firma Northrop Grumman. Die "X-47" hatte letztes Jahr Starts und Landungen auf einem Flugzeugträger absolviert.

Frankreich und Großbritannien haben nun eine industrielle Kooperation für die Entwicklung von Drohnen-Technologien gegründet. Ihr gehören laut dem "Newsletter Verteidigung" die sechs Konzerne BAE Systems, Dassault, Safran, Rolls-Royce und Thales, aber auch die italienische Selex an.

In einer Erklärung zum heutigen Deutsch-Französischen Ministerrat haben auch Berlin und Paris ihre Zusammenarbeit zu einer "neuen Generation von Überwachungsdrohnen bis 2020-2025" bekräftigt. Ein erster Schritt sei demnach die "Ermittlung des operationellen Bedarfs". Hierfür wird eine übergreifende Arbeitsgruppe eingerichtet, die "zügig Vorschläge erarbeiten soll". Ob auch die Industrie dabei teilnehmen wird, bleibt offen.

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