Portugal 100% mit erneuerbarem Strom

Viereinhalb Tage konnte das Land komplett mit Ökostrom versorgt werden, von Januar bis April waren es 75%

Dass sich das kleine Portugal mit großen Schritten auf einem Weg befindet, das Land zu 100% mit nachhaltigem Strom zu versorgen, wurde hier schon berichtet. Und nun ist dem Land ein neuer Rekord gelungen, der erneut kaum Widerhall in den Medien gefunden hat.

Ununterbrochen konnte sich das Land über 107 Stunden, also über viereinhalb Tage, komplett mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgen. Konkret mussten von 6:45 Uhr am 7. Mai bis um 17:45 Uhr am 11. Mai keine fossilen Energieträger verbrannt und klimaschädliche Abgase in die Umwelt geblasen werden. Vor allem über Wasser- und Windenergie wurde das Land versorgt, hat der "Verband für Erneuerbare Energien" (APREN) und Zero nach der Auswertung der Daten des Netzbetreibers "Redes Energéticas Nacionais" (REN) mitgeteilt.

Niemand verschweigt, dass der Rekord mit den starken Regenfällen und guten Windverhältnissen zu tun hatte. Für den APREN-Präsidenten António Sá Costa ist das aber nur der Vorgeschmack darauf, "dass das in der nahen Zukunft eine Realität über 365 Tagen im Jahr sein wird". Zero dagegen mahnt an, dass die Energiepolitik noch deutlich ambitionierter sein könnte, um dieses Ziel zu erreichen.

Schaut man sich die Daten des Netzbetreibers an, zeigt sich, dass man es keinesfalls mit der Ausnahme zu tun hat, die die Regel bestätigt. Denn im gesamten April konnte Portugal seinen Verbrauch zu mehr als 80% über Ökostrom decken. Von Januar bis April waren es fast 75%.

Bis 2013 lieferten vor allem Wasserkraftanlagen Ökostrom. Sie deckten etwa knapp ein Viertel des Strombedarfs. Doch vor allem der starke Ausbau der Windkraft hat in den letzten Jahren hat für einen starken Zuwachs gesorgt, die 2015 nach Angaben von REN schon fast ein Viertel des Stroms liefern konnte. Während auch die Biomasse in Portugal mit 5% eine größere Rolle gespielt hat, fristet die Solarenergie noch ein stiefmütterliches Dasein mit 1,5%. Vor allem darauf zielt die Kritik von Zero ab.

Die Investitionen in erneuerbare Energien gehen weiter, vor allem in Wasserkraft. Bis 2023 sollen in diversen Stufen neue Wasserkraftwerke in Nordportugal gebaut werden. Der große spanische Energieversorger "Iberdrola", der sich aus der Atomenergie verabschiedet, weil sie "wirtschaftlich nicht tragbar" seien, hat gerade den Zuschlag für das größte Wasserkraftprojekt des Landes von der neuen Linksregierung bekommen. Investiert werden sollen in diverse Staustufen insgesamt eine Milliarde Euro. 3.000 direkte und 10.000 indirekte Stellen sollen geschaffen werden. 2021 sollen in der ersten Baustufe 880 Megawatt (Mw) 2021 ans Netz gehen. Insgesamt sollen es 1.158 MW werden. Dazu kommt ein Projekt des portugiesischen Energieversorgers "Energías de Portugal" (EDP), der schon im Laufe des Jahres 270 MW ans Netz bringen will.

Dass sehr stark auf Wasserkraft gesetzt und die Diversifizierung vernachlässigt wird, ist allerdings auch kritisch zu sehen. Denn in Dürrejahren wie 2015 lässt dies die Versorgung mit nachhaltigem Strom einbrechen. 2014 trug die Wasserkraft zu 31% zur Versorgung bei, 2015 waren es nur 17%. Die schwach gefüllten Staustufen waren dafür verantwortlich, dass die Gesamtversorgung mit Ökostrom gegenüber dem Vorjahr deutlich zurückgegangen ist. 2014 hatte man es mit einem außergewöhnlich regenreichen Jahr zu tun.

Portugal zeigt aber weiter, dass das Ziel 100% nachhaltiger Strom keine Utopie ist. Und die erneuerbaren Energien tragen zudem zur Stabilisierung der Wirtschaft bei. Mit den Stromexporten konnte das Land auch sein Leistungsbilanzdefizit abbauen.

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