Privacy matters

Während Google nicht mit dem chinesischen Militär zusammenarbeitet, ist Privacy ganz wichtig für Apple. Es sei denn, es geht ums Herz

Man kommt gar nicht mehr mit, die vielen Lügenbeutelein des 45. POTUS von den zufällig einmal richtigen Aussagen Trump zu unterscheiden. Vor allem auf Twitter ist das gefühlt mehr so, als würde jemand einen einarmigen Banditen betätigen. Und ab und zu twittert der Präsident drei Richtige. Wir gehen deshalb einmal davon aus, dass sich kaum noch jemand an folgenden Tweet erinnert:

Google is helping China and their military, but not the U.S. Terrible! The good news is that they helped Crooked Hillary Clinton, and not Trump ... and how did that turn out?

Einmal davon abgesehen, dass der ganze Beitrag ein wenig wirr daher kommt, weil er vermutlich auch mal wieder im Morgengrauen abgesetzt worden ist, oder spät nachts, wenn kleine, brave POTUSSE eigentlich schlafen sollten, ist daran wohl auch nicht alles so gaaaaanz richtig gewesen. Jedenfalls betont das Google. Man arbeite nicht mit dem chinesischen Militär zusammen. Kann sein, dass das schon stimmt, wir wissen es nicht, wir erinnern uns ja auch kaum. Inzwischen jagen andere präsidiale Lügen die digitale Dorfstraße hinunter. Aber was uns in Erinnerung bleiben sollte: it is all about privacy these days, stupid. Wer als digitaler Konzern heute noch so tut, als wäre der Schutz der persönlichen Daten nicht im Zentrum des Interesse von allen, ist endweder lebensmüde oder betreibt eine Hackerfarm irgendwo zwischen Moskau, Kirgisien und Ulaanbaatar.

Es nimmt ja dann auch nicht Wunder, dass Apple einen seiner neuen Werbespots derzeit vor verschlossenen Klotüren spielen lässt. "Privacy" heißt er und sagt klar von sich: Ey, es gibt nix Wichtigeres als Deine Privatsphäre, lieber Kunde. Da sind wir ganz dolle dufte und so. Wenn es um Privatheit geht, dann gibt es neben eher peinlichen und intimen Aufnahmen des eigenen Körpers zum Behufe der Anbalzung einer Angebeteten wohl nichts Innerlicheres als zum Beispiel das eigene Herz und die Töne, die es abgibt.

Nun haben Apple und Stanford Medicince stolz eine Studie veröffentlicht, die sich um 419.093 Herzen dreht. So viele Nutzer einer Apple Watch haben nämlich zugestimmt, ihre Herzschlagdaten mit den Medizinern auszutauschen, um eventuelle Herzrythmusstörungen anzuzeigen und nach dem fünften Vorfall eine Nachricht vorzufinden, die zum Besuch eines Arztes rät. Das sei, so sei man sich einig, ein "Gamechanger" für medizinische Studien der Zukunft.

Also richten wir uns schon einmal darauf ein, dass in Zukunft andauernd unser Tittracker am Armgelenk piepen wird, um uns mitzuteilen, dass wir kurz vor einem Herzinfarkt stehen, wir zu schnell auf der Ortsstrasse unterwegs sind, wir lieber nicht von diesem Kuchen hier essen sollten und übrigens auch unser Hosenstall offen steht.

Und während sich immerhin noch einige Gedanken darüber machen, dass Face Recognition in Zukunft auf Consent aufbauen sollte, um rechtens zu sein, ticken unsere Uhren fleißig vor uns hin und bauen so ein dermaßen individuelles und intimes Profil von auf, dass Social-Scoring-Betreiber die Tränen des Glücks in ihren Augen spüren werden.

Übrigens kriegt hier jeder gleich eine Nachricht auf seine Apple Watch, dass wegen langsamer Lesegeschwindigkeit die Sehstärke nachgelassen hat und man lieber mal einen Augenarzt aufrufen sollte. Es ist nur zum eigenen Besten, so wie eine Herzrythmus-Untersuchung. Wirklich.

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