Pro-Waffenbesitz-Politikerin in den Kopf geschossen

Bei einem Massaker in Arizona kamen mindestens sechs Personen ums Leben, 14 weitere wurden verletzt

In einem Safeway-Supermarkt in Tucson im US-Bundesstaat Arizona erschoss der 22-jährige Jared Lee Loughner gestern sechs Menschen und verletzte weitere 14. Unter den Todesopfern befinden sich auch der wegen einer Klage von Einwanderern umstrittene Richter John Roll und ein neunjähriges Mädchen.

Die US-Medienberichterstattung konzentriert sich jedoch auf eine Verletzte, die möglicherweise Loughners Hauptziel war: Die Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords, der er aus nächster Nähe in den Hinterkopf schoss, weshalb anfangs die Falschmeldung kursierte, sie habe das Massaker nicht überlebt. Tatsächlich wurde Giffords, die in dem Geschäft eine Bürgerstunde abgehalten hatte, jedoch in ein Krankenhaus eingeliefert und operiert. Mittlerweile gaben die Ärzte bekannt, dass ihr Gehirn noch funktioniert. Von den anderen 13 Verletzten wurden weitere neun operiert, bei vier davon ist der Zustand kritisch.

Über die Motive des Täters wird bislang nur spekuliert: Seine MySpace-Seite ist mittlerweile gelöscht. Am Sonntagmorgen existierten allerdings noch Videos in einem YouTube-Channel, die in ihrer grafischen Verwirrtheit leicht an die Fernsehshows des bei der Tea-Party-Bewegung ausgesprochen beliebten Moderators Glenn Beck erinnern.

Auf einen möglichen politischen Hintergrund deutet hin, dass Giffords Büro verwüstet wurde, nachdem sie für Barack Obamas Gesundheitsreform stimmte. Zudem war ihr Wahlkreis im Süden Arizonas vor den Midterm Elections auf einer Facebook-Karte der Tea-Party-Ikone Sarah Palin (neben denen 19 anderer demokratischer Abgeordneter) mit einem Fadenkreuz verziert. Palin warb darüber hinaus mit dem Slogan: "Don’t Retreat, Instead RELOAD!". Ihren Sitz im Kongress konnte die Jüdin Giffords, die mit einem Astronauten verheiratet ist, trotzdem gegen einen Tea-Party-Herausforderer verteidigen – was möglicherweise nicht zuletzt daran lag, dass sie stets lautstark für das Recht eintrat, Schusswaffen zu tragen.

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