Prost, Pro-Blogger

Neben der Spur

Vermutlich gibt es in den USA heute mehr bezahlte Blogger als Anwälte. Vermutlich verdienen letztere aber mehr.

Während Portale aus dem vergangenen Jahrhundert, zum Beispiel Yahoo, weiterhin Stellen abbauen und sich die klassischen Medien langsam selbst versenken hat sich unmerklich ein Erwerbszweig etabliert, der ein tägliches - wenn auch ein hartes und trockenes - Brot ermöglicht. Die Zahl der kommerziellen Blogger übersteigt inzwischen in den USA die der Programmierer und kommt schon fast an die der Barangestellten und Anwälte heran.

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Rein rechnerisch kann also jeder Pro-Blogger nach einem frustrierenden Tag mit lauem Verdienst und diversem Ärger in den Foren zur persönlichen Bar seiner Wahl wanken und dort seinen persönlichen Anwalt treffen. Es scheint sich ein spannendes akademisch angehauchtes Millieu zu entwickeln, denn drei Viertel der Blogger in den USA haben einen höheren Schulabschluss. Aber nur zwei Prozent aller Blogbetreiber hegen auch kommerzielle Interessen mit Ihren Einträgen. Und damit man sich bei einem angestrebten Jahreseinkommen von 75.000 USD auch sein Bier mit dem Anwalt leisten kann, sollte man schon mehr als 100.000 Unique Visitors im Monat verzeichnen können. Nur dann scheinen die Werbe-Einnahmen - wenn sie denn derzeit so reichlich spriessen - auch genügend abzuwerfen. Immer vorausgesetzt, man hat seine Einträge auch gut an den Anzeigenmann gebracht.

Kleiner Exkurs: Anwälte werden trotzdem das bessere Los haben. Im ehemaligen Mutterland jenseits des Atlatniks kann das schon einmal 800 Pfund pro Stunde sein. Nicht schlecht, auch wenn die dortige Währung selbst den US-Dollar noch gut aussehen lässt. Allerdings sind Stundensätze in den USA auch nicht mehr der dernier crie. Als Trost für Vielschreiber: Die müssen sich wenigstens dann nicht mit Scheidungsfällen und merkwürdigen Schadensersatz-Klagen herum schlagen.

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