Protest gegen Atomtransport trägt erste Früchte

Kernkraftbetreiber Eon verschiebt für den Herbst geplanten Transport nuklearer Brennelemente von Sellafield nach Grohnde.

Der für diesen Herbst geplante Transport von nuklearen Brennelementen aus der britischen Wiederaufbereitungsanlage Sellafield zum Atomkraftwerk Grohnde soll verschoben werden. Wie eine Sprecherin des Kraftwerksbetreibers E.on laut der Nachrichtenagentur ddp dieser Tage erklärte, werde der Transport nicht in den nächsten beiden Monaten durchgeführt – aus ausschließlich organisatorischen Gründen, wie sie betonte. Die Städte Bremen und Cuxhaven sprachen sich in der vergangenen Woche gegen eine Abwicklung des Transports über ihre Häfen aus. Das spiele bei der Entscheidung über die Terminänderung indes keine Rolle, so die E.on-Sprecherin.

„Dass die Hafenstädte Bremen und Cuxhaven die Atomtransporte über ihre Häfen ablehnen, ist ein großer Erfolg für die Anti-AKW-Bewegung. Unser Einsatz gegen die Atomtransporte zeigt erste Früchte“, konstatiert der Physiker Fritz Storim von der Messstelle Arbeit und Umwelt ( Maus) Bremen.

MAUS und verschiedene Anti-AKW-Gruppen hatten eine große Anfrage an den Senat der Hansestadt Bremen und der Hansestadt Hamburg initiiert, die von den jeweiligen Bürgerschaftsfraktionen der Partei DIE LINKE eingebracht wurden. Damit wurde eine öffentliche Debatte in Gang gesetzt, die ganz offensichtlich die Politik unter Handlungsdruck setzt ( Hamburg - internationale Drehscheibe im Atomgeschäft).

Cuxhavens Oberbürgermeister Arno Stabbert (CDU) forderte den privaten Hafenbetreiber Cuxport auf, die Abwicklung der Atomtransporte abzulehnen, was die Firma daraufhin auch tat. "Ich halte die Transporte zwar für unbedenklich, aber durch die unverantwortliche Diskussion darum droht Schaden für meine Stadt", begründete Stabbert seine Haltung gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. „Angesichts der emotionalisierten Debatte könne ein ungestörter Transport nicht gewährleistet werden.“

Daraufhin wurden Spekulationen laut, dass E.on versuchen werde, die Transporte über Bremen abzuwickeln. Der dortige Senat lehnte dies umgehend ab. Bremen Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) lehnt die Abwicklung der Atomtransporte über die bremischen Häfen sowohl aus Sicherheits-, als auch aus politischen Gründen ab. Er erklärte im Weserkurier, dass der Bremer Senat den Ausstieg aus der Kernenergie unterstütze und nun nicht den „Ausputzer für die Atomlobby“ spielen werde.

Jetzt kommt Hamburg als Alternative in Spiel. MAUS, Umweltgruppen und die Linke fordern den Senat auf, dem Beispiel Cuxhavens und Bremens zu folgen und die Atomtransporte abzulehnen. „Was ein CDU-Oberbürgermeister in Cuxhaven kann, müsste ein Ole von Beust auch schaffen können“, so die Fraktionsvorsitzende Dora Hayenn in einer Pressemitteilung. Doch bislang deutet nichts daraufhin, dass Hamburg die Transporte unterbinden will. Der Staatsrat der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, Christian Maaß, räumte in der Sitzung des Umweltausschusses ein, dass man in Sachen Atomtransporte von Sellafield nach Grohnde „nichts ausschließen könne“.

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