Proteste behindern Schiffsverkehr im Panama-Kanal

Nach Konfrontationen am atlantischen Zugang zum Kanal kam es zum Generalstreik. Regierung will örtliche Freihandelszone privatisieren

Der Versuch einer gewaltsamen Niederschlagung von Protesten am Panama-Kanal hat die Situation eskalieren lassen. Seit beinahe zwei Wochen gehen die Bewohner der Küstenstadt Colón am atlantischen Zugang zu dem Kanal gegen die von der neoliberalen Regierung geplante Privatisierung der örtlichen Freihandelszone auf die Straße. Die Staatsführung von Präsident Ricardo Martinelli hatte das Gesetz 72 ohne Rücksprache mit den Bewohnern in Colón ins Parlament eingebracht. Aufflammenden Protesten begegneten die Sicherheitskräfte mit Gewalt.

Nach offiziellen Angaben starben drei Menschen durch Polizeikugeln, darunter ein zehnjähriger Junge. Die regionale Verantwortliche des Hochkommissariats für Menschenrechte, Carmen Rosa Villa, forderte indes alle Seiten zur Mäßigung auf.

Nach der gewaltsamen Eskalation der Lage hatten am Freitag zahlreiche Gewerkschaften zu einem landesweiten Generalstreik aufgerufen. Auch die Ankündigung Martinellis, die Veräußerung der Freihandelszone ohne Zustimmung der lokalen Bevölkerung nicht weiter voranzutreiben, konnte die Lage nicht beruhigen. Neben der einflussreichen Baugewerkschaft Suntracs schloss sich dem Ausstand auch der Verband der unabhängigen Gewerkschaften, die Lehrerverbände und weitere Arbeitnehmerorganisationen an. Die Koordination der Indignenen-Organisationen kündigte eine Verschärfung der Fahrbahnblockaden auf der Panamericana-Straße an, die Panama mit den angrenzenden Staaten Mittelamerikas verbindet.

Der Verband der Unternehmer in der Freihandelszone von Colón, dem zweitwichtigsten maritimen Warenumschlagsplatz nach Hong Kong, forderte dringend einen Dialog zwischen den Privatisierungsgegnern und der Regierung. Der Verband geht von einem Gesamtverlust von rund sechs Millionen US-Dollar pro Tag aus, nachdem in den vergangenen Tagen tausende Schiffe ihre Fracht nicht hatten löschen können.

Nach Angaben des Tourismusministers Salomón Shamah wurde auch einem Kreuzfahrtschiff mit gut 2.000 Touristen die Zufahrt zum Hafen verwehrt.

Die Freihandelszone in Colón beherbergt nach Angaben der Wirtschaftsbehörden Panamas rund 3.000 Unternehmen und schafft über 30.000 Arbeitsplätze. Der panamaische Staat verdient an den Handelsgeschäften nach Angaben des örtlichen Unternehmerverbandes jährlich rund 100 Millionen US-Dollar. Der Verband erklärte ausdrücklich, die Privatisierungspläne nicht zu unterstützen.

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