Prothesen oder lieber nachwachsende Körperteile?

Die Forschungsbehörde der Darpa fördert die Entwicklung von Neuroprothesen und nachwachsenden Gliedmaßen.

Die Darpa, die Forschungsbehörde des Pentagon, steckt viel Geld in die Entwicklung künstlicher Prothesen. Die durch Straßenbomben und Anschläge von Selbstmordattentätern im Irak und in Afghanistan häufig auftretenden schweren Verletzungen, die zu Amputation führen, standen hinter der Motivation, die amputierten Gliedmaßen durch künstliche ersetzen zu können – auch mit dem Ziel, die Soldaten wieder einsatzfähig zu machen.

Das 2005 gestartete Programm Revolutionizing Prosthetics setzt auf die Entwicklung einer neuronal gesteuerten, auch Druck- und Wärmeempfindungen übermittelnden Handprothese und ist schon recht weit vorangeschritten. Leutnant Geoff Ling, Leiter des Darpa-Programms, zur Vision: "At DARPA, we have a vision of a future where a soldier who has lost an extremity in battle will regain full use of that limb again,"

Prothesen sind die eine Seite, noch anspruchsvoller und exotischer ist ein anderes Darpa-Programm, das letztlich darauf abzielt, Körperteile nach dem Vorbild von Amphibien wieder nachwachsen zu lassen. Die US-Army finanziert Forschungsprojekte, die mit Stammzellen zum Nachwachsen von Geweben arbeiten. Die Darpa hat jetzt dem Biotech-Unternehmen CellThera und dem Worcester Polytechnic Institut eine halbe Million Dollar für ein einjähriges Projekt gezahlt, um Techniken zu entwickeln, mit denen sich beschädigtes Muskelgewebe wieder nachwachsen lässt. Bei Erfolg kann der Auftrag verlängert werden. Schon 2006 hatte die Darpa in ein Forschungsprojekt, an dem beide Institutionen beteiligt waren, mehrere Millionen Dollar investiert. In dem Grundlagenprojekt ging es darum herauszubekommen, warum bei Salamandern Beine nachwachsen können. Zusammen mit Wissenschaftlern der Tulane University war es den Wissenschaftlern gelungen, Hautzellen von Mäusen und Menschen so umzuprogrammieren, dass sie wie Stammzellen fungieren, woraus sich Anfangsstadien von Zellkulturen züchten ließen. Jetzt will man einen Schritt weitergehen und aus umprogrammierten Zellen Muskelgewebe züchten, das die normale Funktion eines beschädigten Muskels ersetzen kann.

Ziel wäre es, eine Möglichkeit zu finden, Verletzungen zu heilen, von denen Knochen, Muskeln oder Nerven betroffen sind. Für das entsprechende Forschungsprogramm der Darpa wird als erster Meilenstein angegeben, für ein Tier, dessen Wunde, Organ bzw. Glied nicht heilt, ein Blastem zu erzeugen, Phase 2 soll dann schon sein, ein voll funktionsfähiges Gewebe bzw. einen Körperteil bei einem Säugetier herzustellen.

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