Prüde Konservative erteilen Redeverbot für Abgeordnete im Repräsentantenhaus von Michigan

Das Wort Vagina finden republikanische Abgeordnete anstößig

Wie prüde es mitunter in den USA zugeht, macht ein Vorfall im Repräsentantenhaus des US-Bundesstaats Michigan deutlich. Die herrschende republikanische Mehrheit verbot zwei demokratischen Abgeordneten, im Parlament sich zu zwei Gesetzesvorlagen äußern zu dürfen. Die beiden Frauen könnten, so der republikanische Mehrheitsführer Jim Stamas, die "Würde des Repräsentantenhauses" schädigen und seien zu weit gegangen. Die Partei, die die Mehrheit hat, kann festlegen, wer zu welchem Thema sprechen darf.

Obgleich Stamas es abstritt, dürfte der Anlass für das Redeverbot in dem einen Fall gewesen sein, dass die Abgeordnete Lisa Brown bei der Diskussion über ein Gesetz zur Beschränkung von Abtreibungen in Kliniken von der Vagina gesprochen hatte. Sie meinte zu den Befürwortern des Gesetzes, sie sei erstaunt, "dass Sie alle so sehr an meiner Vagina interessiert sind, aber Nein bedeutet Nein". Der republikanische Abgeordnete Callton sagte, Brown habe anstößig gesprochen: "Es war so anstößig, dass ich das nicht einmal vor Frauen sagen würde." Die republikanische Abgeordnete sagte, sie sei "als Frau und Mutter persönlich" durch die Äußerungen angegriffen worden. Brown entgegnete in einer Pressekonferenz, dass Vagina der korrekte medizinische Begriff für das weibliche Geschlechtsteil sei: "Wenn ich das Wort Vagina nicht benutzen darf, warum regeln wir dann gesetzlich Vaginas? Welche Sprache soll ich benutzen? Wir sind alle Erwachsene." Zudem sagte Brown, männliche Abgeordnete hätten schon oft unangemessen gesprochen, dafür aber keine Redeverbot erhalten. Die demokratische Opposition bezeichnete das Redeverbot als weiteres Anzeichen dafür, dass die Republikaner die Rechte der Frauen beschneiden wollen.

Nicht gut kam bei den prüden Konservativen auch an, als die demokratische Abgeordnete Barb Byrum am Mittwoch einen Zusatz zu dem Abtreibungsgesetz forderte, nach dem eine Abtreibung nach der zwanzigsten Woche verboten werden soll, sofern nicht das Leben der Mutter in Gefahr ist. Byrum verlangte als Ausgleich die Aufnahme eines Passus, der Männer den Frauen gleichstellen würde, wenn es um eine unerwünschte Schwangerschaft geht. Männer sollten nach ihr sich auch nicht sterilisieren lassen dürfen, wenn der Eingriff nicht notwendig zur Rettung des Lebens ist: "Wenn wir wirklich sicher stellen wollen, dass die Kinder geboren werden, dann müssten wir auch die Vasektomie regulieren." Der republikanische Sprecher John Walsh lehnte es ab, dass Bryum ihren Gesetzeszusatz vorstellen durfte, was zu einer lautstarken Auseinandersetzung führte. Bryum verließ schimpfend das Parlament.

Um die peinliche Debatte zu beenden, erklärten die Republikaner schließlich gönnerhaft, dass die beiden Frauen in der Zukunft wieder sprechen dürften, wenn sie sich an die Regeln halten. Das Gesetz wurde mit der republikanischen Mehrheit angenommen.

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