Quallen und Hochwasser legen AKW lahm

In Schottland mussten zwei AKWs wegen zuviel Quallen abschalten. US-Behörde fand in 60 AKWs Sicherheitsmängel

Kleine Ursache große Wirkung. Quallen haben nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters die Filter des Kühlwasserzuflusses in einem britischen AKW verstopft. Zwei Reaktoren in der Nähe vom schottischen Edinburgh mussten abgeschaltet werden. Auf der britischen Insel hat es derlei Vorfälle bisher selten gegeben, in Japan sollen sie hingegen nach dem Agenturbericht öfter vorkommen.

Quallen können in sehr großer Zahl auftreten. Durch die Überfischung vieler Arten und Meere haben sie bzw. ihre Larven weniger Fressfeinde. Außerdem werden sie von der Erwärmung der Meere begünstigt. Mit dem zunehmenden Klimawandel müssen sich AKWs, die mit Meerwasser kühlen, vermehrt auf derlei Probleme einstellen.

Unterdessen haben, wie berichtet, im US-Bundesstaat Nebraska am AKW Fort Calhoun bereits vergangenen Sonntag die Flutbarrieren versagt. Luftaufnahmen zeigen, dass das Wasser des über die Ufer getretenen Missouri bis an die Reaktorgebäude vorgedrungen ist. Das AKW wurde bereits vor Wochen abgeschaltet, als das Hochwasser begann (siehe auch Missouri Hochwasser bedroht Atomkraftwerke und AKW weiter von Hochwasser bedroht), muss aber zur Kühlung weiter mit Strom versorgt werden. Andernfalls würde ähnlich wie in Fukushima die sogenannte Nachwärme den Reaktorkern stark erhitzen, was im schlimmsten Fall zu dessen Schmelze führen könnte. Die Nachwärme entsteht durch den Zerfall von radioaktiven Isotopen, die wiederum ein Produkt des Uranzerfalls sind.

Ein jüngst vorgelegter Sicherheitsbericht der US-Aufsichtsbehörde NRC, der nach der Katastrophe in Fukushima am 11. März in Auftrag gegeben wurde, hat nach Meldungen in US-Medien Defizite in der Ausrüstung für Notfälle festgestellt. In 60 AKWs habe es Missstände gegeben. Dazu gehörten schlechte Ausbildung des Personals, fehlende oder kaputte Austrüstung sowie undurchdachte Bauten, wie ein Zaun, der im Ernstfall das Abpumpen bei Hochwasser ver- oder stark behindern würde. In einem Fall waren mehrere tragbare Pumpen funktionsuntüchtig, die im Falle einer drohenden Überflutung Wasser von den sensiblen Anlagen fernhalten sollen.

In der Zusammenfassung des NRC heißt es: „While individually, none of these observations posed a significant safety issue, they indicate a potential industry trend of failure to maintain equipment and strategies required to mitigate some design and beyond design-basis events.“

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