"Räumt Eure Konten leer!"

Revolutionäre Idee oder gefährlicher Unsinn? - Aufruf zum Bankrun: Ehemaliger Fußballstar will die Macht der Banken und des Systems brechen

Die Idee bringt manche Romantiker zum Schwärmen. Da wird ein Aufstand, eine Revolution, angekündigt, an der jeder ohne Blutvergießen, ohne Waffen teilhaben kann, möglicherweise genügt die Bankkarte: Am 7.Dezember sollen alle Bürger ihre Konten leerräumen, um die Banken Einsicht und Fürchten zu lehren. Das, nachdem sonst keine Demonstration, kein Streik, nichts etwas bewirkt habe.

Vorgetragen wird die Idee von einem lässigen Mann mit südlichem Akzent, so wie er einem auch in einer Marseiller Hafenkneipe gegenübersitzen könnte, ein Unbequemer, Unangepasster, auf jeden Fall einer, der überzeugt ist, ein Passioné. Leidenschaftlich und unbequem und immer wieder mal groß war Eric Cantona (siehe dazu auch "I am not a man. I am Cantona") schon auf dem Fußballplatz; nun strahlt der Stern des ehemaligen Fußballstars im Internet. Und er strahlt weit.

Sein Video-Aufruf zum Bank-Run läuft und läuft und läuft. Über 130.000 haben ihn mittlerweile auf YouTube in orginal Südfranzösisch gesehen. Das ist zwar weniger als die 1.896.137 Aufrufe für seinen legendären asiatisch inspirierten Kampfsportfußkick gegen einen Fan; aber das Echo auf das Bank-Run-Video ist auch nur Teil der Resonanz, die Aufruf zum Kontenleerräumen erzielt.

Auf der Website für den von Cantona initiierten Bankrun 2010 ist die Aktion schon seit Anfang November zu lesen, seither gibt es Meldungen mit einer Flut von Kommentaren dazu, in Frankreich wie in Deutschland. Beinahe 1.200 Kommentare etwa gab es beispielsweise zu einem Artikel im konservativen Le Figaro. Auf der Facebooksite für die „Revolution!“ stehen derzeit rund 25.000 Zusagen, knapp 20.000 „Vielleichts“, fast 74.000 Absagen und beinahe 319.000 „Antworten, die noch ausstehen“.

Gespannt sein darf man auch auf die Antwort des Stars, ob nämlich Eric Cantona selbst sein Konto leerräumen wird. Von den Banken war bislang nicht sonderlich viel Unruhe zu vermelden. Die Befürchtungen des Belgiers Michel Vermaerke von einem belgischen Finanzzusammenschluss namens Febelfin - „Diese Aktion könnte unser fragiles Finanzsystem destabilisieren“ - tauchen gewissermaßen als Kronzeugenschaft möglicher Sorgen anderer Banker seit dem Wochenende in jeder Meldung auf. Klaus Abberger vom ifo-Institut der von Jetzt.de dazu befragt wurde, wie ernst die Aktion zu nehmen sei, verweist natürlich darauf, dass es davon abhängt, „wie viel Geld die Leute besitzen, die sich an der Aktion beteiligen“. Generell sei so ein Bankrun etwas „sehr Gefährliches.“ Müsste eine Bank auf einen Schlag mehr Geld auszahlen, als sie in ihren Tresoren liquide zur Verfügung hat, „wird sie zahlungsunfähig und geht damit pleite. Völlig unabhängig davon, ob sie gesund ist und gut arbeitet“.

Egghat, Betreiber des sehr lesenswerten Wirtschaftsblogs „Die wunderbare Welt der Wirtschaft“, betrachtet die romantische Idee Cantonas mit nüchterner Skepis:

"Denn dann würden die Banken doch wieder vom Staat gerettet werden. Dabei wird nur jede Menge Geld sinnlos vernichtet. (NB: Ich glaube allerdings auch nicht, dass die Aktion spürbare Auswirkungen haben wird)."

Nach Rechnung Cantonas würden 20 Millionen, die ihr Geld von der Bank abziehen, genügen, um das System zusammenbrechen zu lassen. Das ist selbst für einen Fußballgott eine große Nummer. Ob es den Citoyen dann besser ginge, ist auch nicht sicher.

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