Raucher feuern?

Die allgegenwärtige Fürsorge von „Über“-Unternehmen

Wie weit reicht künftig die Fürsorge des "Über"-Unternehmens, das sich für seine Arbeitnehmer verantwortlich fühlt? Sollten Arbeitgeber beispielsweise das Recht haben, ihre Angestellten zu bestrafen, wenn sie in ihrer Freizeit rauchen?, fragt schon jetzt die New York Times.

Was Europäer (noch?) als völlig ungerechtfertigte, maßlose, empörende Einmischung in ihr Privatleben empfinden, wird von US-amerikanischen Unternehmen anders gesehen. Da die Unternehmen für die Krankenversicherung der Angestellten verantwortlich sind, werden Aufschlagszahlungen für die Gesundheitsvorsorge ("Health Plan") mit Kostenrechnungen begründet. So hatte das Medienunternehmen Tribune Company, zu dem u.a. die Chicago Tribune und die LA-Times gehören, ab Januar dieses Jahres von Rauchern eine Extra-Prämie von 100 Dollar monatlich verlangt, was von den Rauchern als Straf-Prämie verstanden wurde.

Nun hat zwar die neu eingesetzte Führung der Tribune Company umgedacht: Man zeigt sich weniger pädagogisch und will es künftig "dem Urteil der Mitarbeiter überlassen, wie sie mit Tabak umgehen". Andernorts aber bleibt man drakonisch: Bewerber für Jobs bei Alaska Air müssen sich einem Nikotin-Screening unterziehen.

Für Schlagzeilen sorgen in den USA aber auch jene Firmen, die nicht mit Strafen, sondern mit Belohnungen versuchen, ihre Mitarbeiter zum gesunden Leben zu motivieren. Wobei anzumerken ist, dass die Gratifikation dialektisch umschlagen kann: zum bewährten Rezept des Strafens nämlich. Eine Firma namens Whirlpool hatte in der vergangenen Woche 39 Mitarbeitern, denen sie einen 500 Dollar hohen Nachlass der Krankenversicherung gewährt hatte, weil sie sich Nichtraucher ausgegeben hatten, gefeuert: Sie wurden außerhalb der Firma beim Rauchen erwischt.

Laut ABC steigt die Anzahl der Unternehmen, die "Krieg führen gegen ungesunde Gewohnheiten" ihrer Mitarbeiter..

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