Raute des Grauens

Neben der Spur

Wie der Wahlkampf mit einer übergreifenden Geste doch noch inspiriert.

Der derzeitige Wahlkampf erinnert an das eine oder andere Länderspiel der deutschen Mannschaft. Taktisch sehr klug aufgebaut, aber ohne Feuer oder Emotionen. Ein gekonnter Langweiler, der die gegnerische Mannschaft gekonnt an der ausgestreckten Hand verhungern lässt. Und das Publikum - wenn es denn bei einem Wahlkampf ein solches gibt, schliesslich sind ja alle auch deren Akteure - macht sich derweil gelangweilt ein neues Bier auf und rülpst in Richtung des 16ers. Ist ja eh schon klar, dass es ein 1:0 wird.

Gut, da gibt es schon ein paar kleine Störmanöver wie das der IG Metall, in dem sich Deutschland entspannt. Oder den Schneckenspot der Grünen mit einem herrlichen William Cohn, der dann gleich noch mitmacht, um bei Böhmermanns Rede an die Nation die Sau rauszulassen oder über die gemeine Filzlaus zu lästern.

Aber zur Höchstform läuft die Wählerschaft nicht etwa über die #schlandkette auf. Das Fussvolk rennt mit etwas ganz anderem auf den Platz. Die Merkelraute widmet sich dem Insignium der Kanzlerischen Macht, den ovalgespreizten Fingerspitzen von Angela Merkel, die Offenheit, mit einem klaren Wenn und Aber, mit einem Schuss Das schauen wir später noch einmal an signalisieren sollen.

Und weil die Kanzlerinpartei ausgerechnet am Berliner Hauptbahnhof ein Riesenplakat mit Muttis Händen aufstellen muss, liefert sie in der 89. Spielminute eine Steilvorlage für des Volkes Spot. Dank den Segnungen der modernen Bildbearbeitung sind dort Variationen zu sehen, die den Ausschnitt hinter den Händen füllen. Mit...nunja, freien Improvisationen. Und vielleicht sagen die mehr über das Land und deren Regierung aus, als es eine TV-Debatte könnte.

Wir sollten dazu den Psychologen fragen und nicht den Raab schlagen.

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