Rechtsfreier Raum Fernsehen

ZDF-Spielshowgäste ohne Toilette eingesperrt

Nicht erst, seit die Macher von Tatort Internet in ihrer Sendung den Eindruck erwecken, dass vor die Kamera gelockte Personen unter Androhung körperlicher Gewalt zum Ausleeren von Taschen und zum Verweilen in Wohnungen gezwungen werden, gibt es Kritik daran, wie selbstverständlich das Medium Persönlichkeitsrechte und teilweise auch Strafvorschriften ignoriert.

Nun hat dieses Phänomen eine neue Schwelle überschritten – und verantwortlich war nicht einer der Privatsender, sondern das mit Zwangsgebühren finanzierte ZDF. Es sperrte etwa 350 Studiogäste der von Jörg Pilawa moderierten Sendung "Rette die Million" ein. Für die ZDF-typische Altersgruppe dabei besonders bitter: Während dieser Zeit hatten sie keine Möglichkeit, eine Toilette aufzusuchen. Allerdings versorgten sie der Sender und die Produktionsfirma Endemol während ihres Zwangsaufenthalts im Studio auch nicht mit Speisen oder Getränken.

Einem Bericht der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) nach blockierten Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsunternehmens die Ausgänge, nachdem sich während der insgesamt sieben Stunden lang dauernden Aufzeichnung immer mehr Zuschauer davonmachten, anstatt das Ende der Sendung abzuwarten. Den verbliebenen Spielshowkomparsen, die für die Teilnahme pro Person zwölf Euro gezahlt hatten, halfen selbst laute Rufe, dass dies Freiheitsberaubung sei, nicht weiter. Erst, nachdem der Drehplan vollständig erfüllt war, ließ man sie heraus.

Inwieweit das Vorgehen strafrechtliche Konsequenzen haben wird, ist noch nicht bekannt. Üblicherweise gilt für Freiheitsberaubung die so genannte "Vaterunserregel", nach der Personen nicht länger als etwa 40 Sekunden gegen ihren Willen festgehalten werden dürfen. Das ZDF und Endemol rechtfertigten sich mit angeblichen Auflagen eines Versicherungsunternehmens, die allerdings eher die Million als die Zuschauer zu betreffen scheinen. In Zukunft, so Moderator Jörg Pilawa, wolle man "die Abläufe komplett neu gestalten".