Rechtswidriger Titelentzug?

Koch-Mehrin legt bei der Universität Heidelberg Widerspruch ein und fährt damit eine riskante Strategie

Am 15. Juni war der FDP-Europaabgeordneten Silvana Koch-Mehrin der Doktortitel entzogen worden. Man habe die Arbeit intensiv geprüft, so die öffentliche Erklärung des Promotionsausschusses der Philosophischen Fakultät der Universität Heidelberg. Dessen Vorsitzender betonte, dass die Menge wie die Art der Plagiate "zwingend die Schlussfolgerung nahelege", dass Koch-Mehrins Dissertation keine "selbstständige wissenschaftliche Arbeit" sei.

Ende der Diskussion? Nein. Wie die Onlineausgaben von Welt und Spiegel heute berichten, hat die FDP-Politikerin Widerspruch gegen die Entscheidung eingelegt, rechtzeitig vor Ablauf der Frist Ende Juli. Die unmittelbare Folge ist, dass der Promotionsausschuss die Arbeit erneut intensiv prüfen wird und laut Dekan "schließlich noch einmal über den Entzug des Doktortitels entscheiden werde". Bleibt der Promotionsausschuss bei seinem Urteil, was nach der deutlichen Erklärung zu erwarten ist, so kommt die Sache vor ein Verwaltungsgericht. Worauf könnte Silvana Koch-Mehrin hoffen?

Laut Spiegel kämpft sie um ihren Ruf und die Welt stellt sie als "bislang einzige" Politikerin heraus, die den Titelentzug nicht hinnimmt. Doch das reicht alleine wohl nicht, um das angeschlage Image der früheren Vorzeigefrau wiederherzustellen. Der Bericht der Welt deutet an, dass Koch-Mehrin dazu eine riskante Strategie wählt, die das Unrecht bei der Universität sucht.

Sie räumt zwar "Fehler und Schwächen" in ihrer Dissertation ein. Das, so ihr Argument, sei der Hochschule aber schon früher, vor elf Jahren, bekannt gewesen. Es sei schließlich Aufgabe der Universität gewesen, ihre Arbeit ordentlich zu prüfen. Eine Täuschung sei ihr nie vorgeworfen worden, wird Koch-Mehrin zitiert. "Weil sie bis zum Titelentzug keine Akteneinsicht bekommen hatte, werde sie prüfen lassen, ob der Titelentzug rechtswidrig ist."