Regierungsbericht: Kind zur Organentnahme eingeschleust

Großbritannien will Menschenhandel schwerer bestrafen

Einem Bericht der britischen Regierung zufolge stieg die Zahl der Opfer von Menschenhandel im letzten Jahr um über 50 Prozent an und erreicht damit ein vorher noch nie da gewesenes Ausmaß. Unter den Geschleusten befanden sich auch 371 Kinder, die in den meisten Fällen als Arbeits- oder Sexsklaven ins Land geholt wurden. 95 davon stammten aus Vietnam, 67 aus Nigeria und 25 aus China. 20 britische Mädchen wurden als Sexsklavinnen ins Ausland verkauft.

In einem Fall, den der Bericht schildert, soll ein Somalimädchen nach Großbritannien verbracht worden sein, um ihr dort die Niere zu entnehmen und sie einem zahlungskräftigen Kranken einzupflanzen. Bharti Patel, die indischstämmige Chefin der Kinderschutzorganisation Ecpat UK, glaubt nicht, dass es sich dabei um einen Einzelfall handelt. Ihrer Ansicht nach lohnt sich das Risiko vor allem für organisierte Gruppen, die in diesem Geschäft eine gewisse Routine entwickeln und es dadurch lukrativer gestalten können. Dass zumindest Nieren von Erwachsenen in großem Maßstab illegal gehandelt werden, zeigen die Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO: Danach kommt es jedes Jahr zu mindestens 7.000 solchen Geschäften. Albanische Kriminelle sollen ihren Opfern Organe sogar in großem Maßstab zwangsweise und ohne finanzielle Gegenleistung entnommen haben.

Angesichts der in dem Papier geschilderten Vorfälle und Trends plant die britische Regierung, Menschenhandelsdelikte in Zukunft deutlich schwerer zu bestrafen. Ein dafür angefertigter Prüfbericht schlägt unter anderem vor, dass sich die Höchststrafe von derzeit 14 Jahren auf lebenslang erhöht, wenn Täter bereits wegen schwerer Sexual- oder Gewaltdelikte verurteilt wurden. Außerdem sollen die Paragrafen, mit denen Menschenhändler angeklagt werden, in einem einzigen Gesetz zusammengefasst werden.

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