Reichensteuer ist der Tod des französischen Fußballs

Der sozialistische Präsidentschaftskandidat Hollande, den angeblich konservative Regierungschefs düpieren wollen, bleibt bei der Reichensteuer von 75 Prozent

Der sozialistische Präsidentschaftskandidat Francois Hollande soll von den konservativen Regierungschefs in Deutschland, Spanien, Großbritannien und Italien geschnitten werden, will der Spiegel erfahren haben. Grund sei, dass Hollande den mühsam vor allem von Deutschland durchgesetzten Fiskalpakt erneut zur Diskussion stellen will. Aber natürlich soll in dem großen Land der EU aus der Sicht der Konservativen kein sozialistischer Präsident regieren, der die Kreise stören würde und möglicherweise auch den Menschen in den eigenen Ländern Flöhe in die Köpfe setzen könnte.

Hollande reagierte auf die Meldung cool. Das würde ihn nicht beeindrucken, sagte er, schließlich würden die Franzosen über ihre Zukunft entscheiden und nicht die europäischen Regierungschefs. In Berlin wird der Pakt dementiert. Jede Regierung entscheide selbst, wen sie empfangen will. Besser hätten die konservativen Regierungschefs auch nicht ihren Kollegen Sarkozy düpieren können, der sowieso im Ruf steht, sich Deutschlands Forderungen zu unterwerfen.

Ein solches unangenehmes Thema wäre auch die von Hollande propagierte Reichensteuer von 75 Prozent, allerdings nur für Einkommen über eine Million Euro jährlich. Sarkozy zieht hingegen den konservativen Ansatz vor und will lieber den Mehrwertsteuersatz erhöhen, der alle trifft. Allerdings hatte auch Sarkozy 2011 bereits eine zeitlich befristete Reichensteuer von 3 Prozent auf alle Einkommen über 250.000 Euro eingeführt. Damit liegt der höchste Steuersatz bei 45 Prozent. Hollande hatte allerdings schon angekündigt, den Höchststeuersatz von 45 Prozent für Einkommen einführen zu wollen, die mehr als 150.000 Euro jährlich betragen, das wären 4 Prozent mehr als jetzt. Die seit Jahren in Frankreich, Deutschland und anderswo erfolgte Senkung der Spitzensteuersätze würde damit wieder ein wenig umgekehrt. Revolutionär ist das also nicht gerade, zumal auch die Reichensteuer von 75 Prozent nur das Einkommen betreffen würde, dass über einer Million Euro liegt.

Trotzdem ist Hollande wegen der Reichensteuer in die Kritik geraten. Dummerweise nicht nur von den Konservativen und den üblichen Reichen, sondern auch aus der Fußballecke, wo Spieler gerne einmal Einkommen von einigen Millionen erzielen. Frédéric Thiriez, der Präsident des französischen Fußballverbands LFP, hatte schon mal - wie sich die Sprüche gleichen - vor dem "Tod des französischen Fußballs" und vor der Auswanderung von 120-150 Topspielern gewarnt.

Hollande zeigt immerhin Mut und geht in den Gegenangriff über. Er fragt, ob die Fußballspieler und Trainer so viel leisten, dass die astronomischen Einkommen gerechtfertigt seien. Und er bezweifelt, dass alle gleich auswandern, wenn man von ihnen eine moralische Leistung verlangt. Er schätze die Sportler und Künstler sehr, die dem Land dienen: "Eine Form, unserem Land zu dienen, ist ein Beispiel zu geben", sagte Hollande. Wahlschädigend scheint dies noch nicht zu sein. Nach einer Umfrage sind 61 Prozent der Franzosen für die Reichensteuer.