Rekordanstieg der CO2-Emissionen in 2010

Die Finanzkrise führte nur zu einem kurzen und leichten Rückgang der Emissionen in den Industrieländern

Während in Durban auf der Klimakonferenz vermutlich kein verbindliches Abkommen zur Reduzierung der Treibhausgase herauskommen wird, sondern nur die nächste Vertagung, pumpen die Menschen immer mehr CO2-Emissionen in die Atmosphäre.

Nach einer in der Zeitschrift Nature Climate Change zeitlich passend veröffentlichten Studie des Tyndall Centre for Climate Change Research an der University of East Anglia sind die CO2-Emissionen seit 1990, dem Bezugsjahr für das Kyoto-Protokoll um 49 Prozent angestiegen, 2010 alleine waren es 5,9 Prozent mehr. Insgesamt wurden 10 Milliarden Tonnen Kohlenstoff oder 36,7 Milliarden CO2 im letzten Jahr emittiert, die CO2-Konzentration beträgt nun 389,6 ppm ( Weiter kontinuierlicher Anstieg der Treibhausgase in der Atmosphäre).

Nur in den Krisenjahren 2008 und 2009 gingen die Emissionen zeitweise leicht zurück, die erneut starke, den Rückgang überkompensierende Erhöhung 2010 wurde von Schwellen- und Industrieländern (vor allem von China und Indien, aber auch von den USA Russland und EU) verursacht, wobei die reichen Ländern trotz ihres Lebensstandards auch deswegen weniger Emissionen abgeben, weil Industrien in anderen Ländern entstanden sind, deren Produkte über den Handel importiert werden. Damit werden CO2-Emissionen nur outgesourct. So sind die Emissionen durch Handel mit Gütern und Dienstleistungen, die in den Schwellenländern produziert, aber in den westlichen Ländern konsumiert werden, von 2,5 Prozent im Jahr 1990 auf 16 Prozent im Jahr 2010 gestiegen. Zwischen 2000 und 2010 haben die weltweiten Emissionen jährlich um 3,1 Prozent zugenommen, ein ähnlich großer Anstieg wird nach dem Rekordjahr 2010 auch für 2011 erwartet.

2009 und 2010 haben vor allem die Schwellenländer zum Anstieg der Emissionen beigetragen, während sie in den entwickelten Ländern 2008 um 1,3 Prozent und 2009 um 7,6 Prozent zurückgingen, aber 2010 wieder um 3,4 Prozent anstiegen. In China nahmen die CO2-Emissionen hingegen um 10,4 Prozent und in Indien um 9,4 Prozent zu. Auch in den Entwicklungsländern steigen die Emissionen, die Krise sorgte nur für einen leichten Dämpfer: 2008 betrug die Zunahme 4,4 Prozent, 2009 3,9 Prozent und 2010 7,6 Prozent.

In Krisenzeiten, so schreiben die Wissenschaftler, die Emissionen mit dem BIP verglichen, scheinen die Ländern ihr Wirtschaftswachstum zu erhalten, indem auf weniger energieintensive Aktivitäten gesetzt wird. Schwere Krisen seit den 1060er Jahren haben zu starken Veränderungen bei den CO2-Emissionen geführt. Die Ölkrise versursachte wenig erstaunlich einen sinkenden Ölverbrauch, einen stärkere Verwendung von Gas und zurückgehende CO2-Emissionen. Der Zusammenbruch der Sowjetunion oder die Wirtschaftskrise in Asien hatten einen ähnlichen Effekt auf die Emissionen, veränderten aber den Energiemix nicht. Die globale Finanzkrise 2008 und 2009 verursachte hingegen einen scharfen, aber nur kurze Zeit anhaltenden Rückgang der Emissionen und des BIP und einen schnellen Wiederanstieg der Emissionen. Die Krise hätte eine Gelegenheit sein können für einen strukturellen Wandel, sagen die Wissenschaftler, aber das habe sich nicht ergeben.

Der Anstieg der CO2-Emissionen würde das 2-Grad-Ziel gefährden, heißt es in einer Mitteilung der Universität zur Studie. Die Emissionen seit 2000 kämen den höchsten Werten in den Vorhersagen des IPCC nahe. Wenn sie gleich blieben, würden die Klimaerwärmung bis 2100 weit mehr als 2 Grad Celsius betragen, sagt Corinne Le Quéré, Direktor des Tyndall Centre for Climate Change Research: "Die Regierungen haben jedoch versprochen, die Erwärmung unter 2 Grad zu halten, um die gefährlichsten Folgen des Klimawandels wie Wasserknappheit, Anstieg der Meere und Zunahme von Extremwetterereignissen zu vermeiden."

Kürzlich war eine in Science veröffentlichte Studie mit einem neuen Klimamodell allerdings zu anderen Ergebnissen gekommen. Während der IPCC davon ausgeht, dass bei einer Verdopplung der CO2-Konzentration von 280 ppm auf 560 ppm, im Vergleich zu den vorindustriellen Werten, die globale Temperatur zwischen 2 und 4,5 Grad Celsius mit einer 66prozentigen Wahrscheinlichkeit ansteigen wird, prognostiziert die neue Studie, dass der Anstieg dann "nur" zwischen 1,7 und 2,6 Grad Celsius betragen würde.

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