Reutlingen als Vorbild für Dschihadisten?

Per "Telegram" rufen radikalislamistische Organisationen zur Nachahmung des Angriffs mit einem Dönermesser auf

Auch wenn die Polizei von einer Beziehungstat ausgeht und dahingehend prüft, versuchen Dschihadisten ganz offensichtlich den Angriff in Reutlingen vom gestrigen Sonntag für ihre Angst- und Verunsicherungsstrategie zu nutzen. In der in der Reutlinger Innenstadt hatte mutmaßlich ein 21-jähriger Asylbewerber aus Syrien eine 45-jährige Frau mit einem "Dönermesser" getötet und dazu fünf weitere Personen verletzt. Dass der Angriff einen terroristischen Hintergrund haben könnte, dafür gibt es bei den Ermittlern offenbar keinerlei Hinweise.

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Sie gehen eher von einer Beziehungstat aus, da sich Opfer und Täter gekannt haben sollen. Sie sollen sogar gemeinsam in einem Döner-Restaurant gearbeitet haben, berichten diverse Medien. Zwar spricht offensichtlich nichts für einen Anschlag, doch schon nehmen sich Dschihadisten das Vorgehen offenbar zum Vorbild und nutzen es für ihre Propaganda. Das Internet-Portal SITE, ein Beobachter der Dschihado-Sphäre, berichtet darüber, dass Dschihadisten mit Blick auf die Vorfälle über einen Telegram-Kanal zu Angriffen von "einsamen Wölfen" aufrufen.

Auch wenn die Wirkung eines solchen Angriffs vielleicht gering sei, könnten die ungläubigen Regierungen doch dazu gebracht werden, die Unterdrückung von Moslems aufzugeben, zitiert man bei SITE aus dem Rauschen der Dschihadisten-Kanäle ( "Perhaps (any) small attack you do may add to the cause for the disbelieving (governments) to finally retreat from attack or oppressing Muslim lands.")

SITE hatte auch schon darauf hingewiesen, dass in Kreisen des selbsternannten Islamischen Staates schon seit 2014 über Lastwagen-Attentate wie in Nizza am 14. Juli diskutiert worden war. Klar ist, dass solche Aufrufe der Islamisten darauf zielen, die Angst und die Verunsicherung weiter zu schüren, auch wenn Vorgänge nichts mit ihnen zu tun haben, und für ihre Ziele zu nutzen. Anders als beim Anschlag in Nizza oder dem Axt-Angriff im Zug bei Würzburg, hat sich der IS nicht zu der Tat bekannt.

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