Ring Ring Ring, wer ist denn da?

Amazon bringt eine Menge an neuen Kamera-Gadgets auf den Markt. Aus Sicherheitsgründen sagt man. Ich bin mir da nicht so sicher, ob das nicht ein wenig nach hinten losgeht

"Ring" muss man sich merken. Wenn Amazon mit der Produktbezeichnung "Ring" etwas auf den Markt bringt, dann kann man von einem gewissen Spaßfaktor ausgehen.

Die Amazon Ring Car Cam zum Beispiel hat mir schon ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Sie ist eine Security Cam der ganz besonderen Art. Wenn man sie im Wagen montiert und dann an der Ampel zum Beispiel "Alexa, I've been pulled over" murmelt, schaltet sich die Kamera an und filmt dann alle zu erwartenden Interaktionen mit der Polizei, die einen gerade gestoppt hat.

In den USA, wo das Produkt zu haben ist, wären das dann also wilde Schreie der Officers und ein paar Schüsse in den Rücken, wenn man scharzer Hautfarbe ist. Muss nicht, kann aber, wie man aus den Ereignissen der letzten Zeit weiss. In Deutschland filmt das Ding, wenn es denn hier lieferbar wird, vermutlich eher das Pusten in ein Röhrchen. Und dann die energische Aufforderung des Sicherheitspersonals, die Kamera auszumachen. Persönlichkeitsrechte, und so.

Nun kann man ja zur polizeilichen Staatsgewalt in den USA stehen, wie man will, aber das hat schon einen gwissen Unterhaltungsfaktor für den Alexa-Nutzer. Endlich gibt es etwas, das man dem Assistenten in seinem Handy mitteilen kann. Man spricht ja sonst so selten miteinander. So geht es allen gut und die Sozialhygiene mit IT-Assistenten kommt auch nicht zu kurz. Vielleicht die mit der Polizei, wenn sie die Kamera sieht, aber das ist ein anderes Thema.

Da wäre dann aber noch die Ring Always Home Cam, die Amazon auf den Markt bringt. Das ist eine Indoor-Drohne, die bei Aufzeichnung einer Schall- oder Bewegungsquelle aus dem heimischen Nest hochschwebt und dann durch das Haus fliegt, um den Einbrecher oder Spätheimkehrer zu filmen. Super Idee. Vermutlich werden diverse Teenager, die entgegen ihrer Versprechen erst gegen 03:00 Uhr nachts heimschleichen, nun zu Filmhelden wider Willen.

Aber kein Problem, Alexa soll ja bald mehrere Stimmen voneinander unterscheiden können und steuert dann die Drohne sicher wieder an den Platz zurück, wenn sie vom Filius leicht angestoned ins Körbchen zurück gepfiffen wird. Oder auch nicht, weil die Eltern auch nicht blöd sind und die Stimme vom Sohn von "Fuß"-Befehle ausnehmen lassen.

Das ist alles schön und gut, aber ich denke an die Webcam, die ich im privaten Anwesen auf den Garten gerichtet habe, die mir auch immer wieder brav Alerts schickt, weil die Infrarot-Sensoren Bewegung auf dem Rasen aufzeichnen... und dann war es wieder nur eine Motte, die sich im Licht verfangen hat.

Ich kann mir vorstellen, dass nach dem vierten Drohnenfehlalarm nachts und dem sechsten Polizeieinsatz auf der Autobahn die "Ring"-Produktlinie doch noch einmal wesentlich überdacht werden wird. Oder auch nicht: Der Spaß ist doch so riesig.