Roboter sind auch nur Menschen

Ob es einem passt oder nicht: Je menschenähnlicher AI gesteuerte Roboter scheinen, desto mehr kollidieren Diskussionen über deren nicht vorhandene Rechte mit unseren Grundvorstellungen

Kommt einem das nicht aus der Diskussion um Menschenrechte für Tiere bekannt vor? Da fordern die einen vehement das ein, was für Menschen gesetzt scheint. Unversehrtheit von Leib und Leben, vor allem wenn sie ein Schmerzempfinden haben. Bioethiker Peter Singer begibt sich auf die schwierige Argumentationslinie, dass manche Tiere geistig behinderten Menschen das Wasser reichen könnten. Und andere wie Peter Kunzmann sagen, dass eine solche Initiative die Grundrechte des Menschen aushöhlen könnten. Und dass das moderne Verständnis von Menschenrecht wie etwa das Recht auf Asyl sich auf das Leben in einer Kultur bezieht, die sich Menschen geschaffen haben. Ja nun, man führt ja auch kein Wahlrecht für Gänseblümchen ein. Verstehe.

Das ganze wird jetzt hackelig, wenn man nun anfängt, diese Diskussion auf Roboter und AI gesteuerte Bots zu übertragen. Nach einer allgemeinen Definition zeichnen sich Lebewesen dadurch aus, dass sie "(...) unter anderem zu Stoffwechsel, Fortpflanzung, Reizbarkeit, Wachstum und Evolution fähig sind." Gut, die ersteren beiden kann man Bots noch absprechen, aber trotzdem steht man plötzlich mitten in der Diskussion darüber, ob Bots nicht auch das Recht auf freie Rede haben sollten. Dummerweise hat die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika sich in dieser Zeit noch nicht wirklich um die genaue Definition der Zielgruppe eines solchen Amendments gekümmert. Da steht nichts von Menschen, nur vom "Volk" (the people).

Congress shall make no law respecting an establishment of religion, or prohibiting the free exercise thereof; or abridging the freedom of speech, or of the press; or the right of the people peaceably to assemble, and to petition the Government for a redress of grievances.

Und das auch nur beim Recht, sich frei zu versammeln. Also könnte man argumentieren, dass auch Gänseblümchen, die man zudem in den weiteren Kreis des Volkes aufnehmen könnte, ein Recht auf freie Meinungsäußerung haben. Und das, war für inländische Gewächse gilt, das könnte man auch für Bots verlangen. Sosehr die auch auf Twitter und Facebook unterwegs sind, um merkwürdiges Zeugs zum Brexit und zur Wahl des US Präsidenten zu verbreiten. Wenn man allen untersagen wollte, hierzu merkwürdiges Zeug zu verbreiten, dann wäre das Zensur. Und außerdem könnte man dann gleicht beim 45. POTIUS anfangen und dem Kerl den Twitter-Account abnehmen.

Obwohl man ja ab und zu nicht den Verdacht los wird, dass es sich bei D. Trump auch um ein etwas Modell einer ersten Medienroboter-Serie handeln könnte, das vor sich hin twittern, Coke light trinken und ansonsten nur menschliche Pressevertreter beleidigen kann. Kann sein, ändert aber nichts an der grundsätzlichen Frage, ob sie nicht sogar die Redefreiheit genießen müssen.

Und wenn wir schon bei Robotern sind, wird es ganz heikel. Denn im Umfeld von Tech-Bordellen kommt jetzt die Frage auf, ob die Jungfräulichkeit von Liebesrobotern teurer verkauft werden soll als herkömmliche Liebesdienste von bereits ... benutzten Modellen. Jaja, angeblich sind das ja nur Maschinen, aber jetzt fassen wir uns an die Nase und geben zu: Es zwickt. Es liest sich einfach nicht gut, es ist zu menschlich nachvollziehbar und klingt nicht richtig. Da sitzt eine ganze Generation an Menschen vor Bildschirmen und ballert brutal irgendwelche Avatare in Fortnite nieder, ohne auch nur mit dem Controller zu zucken. Aber wenn das Thema Maschinenethik doch ein wenig näher rückt, dann fühlt sich das plötzlich nicht mehr richtig an. Weil es etwas simuliert, das menschlich ist.

Jedenfalls so lange man das an sich heran lässt und ansonsten hinter der Sau auch nur die Wurst auf dem Brot sieht. Wenn man das so auf Abstand hält, dann wüsste man vermutlich gerne, warum Roboter ein Hymen haben sollten und wer wie nachweist, dass die Maschine wirklich niegelnagelneu ist ... letzteren Begriff bitte ich jetzt schnell wieder aus dem Kopf zu löschen. Das klingt auch nicht gut.

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