Rüstungsperlen in der Ostukraine?
Die Ostukraine wird hierzulande meist als schmutziges, heruntergekommenes Schwerindustriegebiet dargestellt, das ganz dringend auf westlichen Standard gebracht werden sollte. Dabei gibt es dort auch durchaus konkurrenzfähige Fertigung.
In der ehemaligen Sowjetunion (und im Grunde genommen galt dies für alle Staaten des Warschauer Pakts) gab es eine ziemlich klare Aufgabenverteilung und vergleichsweise wenige wettbewerbliche Strukturen. Nach dem Zerfall dieser über die Jahrzehnte gewachsenen Strukturen fielen beispielsweise in der Nachwendezeit der Industrie der vormaligen DDR die Kunden weg und viele Hersteller in Russland musste sich neue Zulieferer und Kooperationspartner suchen. Bei den für die russische und teilweise auch die chinesische Rüstungsindustrie wichtigen, in der Ukraine angesiedelten, Zulieferern galten die Lieferverpflichtungen bislang als gesichert. Mit dem unter fragwürdigen Umständen vonstatten gegangenen Regierungswechsel in Kiew hat sich das schlagartig geändert.
Neben der Gefahr, dass wichtige Komponentenzulieferer ihre Lieferungen auf Druck der Nato einstellen, besteht nun für Russland auch das Risiko, dass wichtiges Know-How n die Hände westlicher Konkurrenten fällt. Auch wenn im Westen oft gelästert wird, wie rückständig die Industrie in der ehemaligen Sowjetunion auch heute noch sei, so gibt es im Osten und Südosten der Ukraine mehrere gerade im Rüstungsbereich wichtige Unternehmen, wie Gregory J Moore kürzlich in der Asia Times darlegte.
Eines dieser Unternehmen ist der Turbinenhersteller Moto Sich, der neben Flugzeug- und Helikopter-Triebwerken auch Turbinen für Blockheizkraftwerke, und Pumpensysteme für den Transport von Öl und Gas liefert. Praktisch alle militärischen Helikopter Russlands sollen mit Antrieben von Moto sich ausgestattet sein. Wie eng die Verbindungen mit der russischen Industrie sind, zeigt sich nicht zuletzt in der umfangreichen Liste der Kooperationspartner, die mehrheitlich in Russland angesiedelt sind. Chinesische Firmen wie die Hongdu Aviation Industry Group beziehen ebenfalls Komponenten von dem in Saporischja am Dnepr angesiedelten Konzern.
Auch Dnipropetrowsk, das etwa 70 Kilometer nördlich von Saporischja liegt, ist ein für die russische Rüstungsindustrie wichtiger Standort. Dort wurden neben zahlreiche Raketen auch Komponenten für die Internationale Raumstation ISS hergestellt. Der Service für die russische SS18 erfolgt von hier aus. Die in Charkiw angesiedelte Kombination aus Kharkov Morozov Machine Design Bureau und Kharkiv Malyshev Plant (KMP), wo die T84-Panzer produziert werden, ist für das russische Militär offensichtlich von größter Bedeutung.