Russland: Gas für China

Um die Volksrepublik beliefern zu können, muss Gazprom in Ostsibirien neue Lagerstätten erschließen

Nun ist der Gas-Deal zwischen Russland und China also unterschrieben. Wie erwartet sollen ab 2018 jährlich 38 Milliarden Kubikmeter Gas geliefert werden, berichtet der britische Sender BBC. Über den Preis des Pakets schwieg man sich aus, aber er wird wohl bei insgesamt etwa 400 Milliarden US-Dollar oder knapp 300 Milliarden Euro liegen. Teil des Deals ist offenbar, dass die chinesische Seite in Vorleistung geht.

(Bild: Gazprom)

Das wird auch notwendig sein, denn die Gasfelder, aus denen das Gas stammen, und die Pipelines, durch die es gepumpt werden soll, müssen erst noch erschlossen und gebaut werden. Mit dem Bau einer Pipeline, die die Region Irkutsk westlich des Baikalsees mit Vladivostock an der Pazifikküste verbinden soll, wurde im letzten Jahr begonnen. Ende 2017 soll sie, heißt es bei Gazprom, fertig sein. Von dieser wird es dann ein oder zwei Abzweigungen in Chinas Nordosten geben. Allein in den dortigen Provinzen, in denen auch die alten Industriezentren des Landes liegen, leben mehr Menschen als in ganz Russland. An Abnehmern wird es also nicht fehlen.

Das Gas soll allerdings nicht aus den alten Feldern kommen, aus denen bisher die EU beliefert wird. Zwar soll die neue fernöstliche Pipeline auch mit den Leitungen im Westen verbunden werden (siehe Grafik). Aber schon eine einfache Rechnung zeigt, dass neue Vorkommen zugänglich gemacht werden müssen. Nach Angaben der US-amerikanischen Energy Information Administration produzierte Russland 2012 rund 614 Milliarden Kubikmeter Erdgas, wovon 437 Milliarden Kubikmeter im Inland verbraucht wurden. Weitere 160 Milliarden Kubikmeter wurden nach Mittel- und Westeuropa exportiert. Um die Lieferungen nach China mit den existierenden Förderanlagen zu bedienen, müsste deren Förderung also deutlich ausgedehnt werden, was nachhaltig vermutlich kaum möglich sein wird.

Also müssen neue Quellen her. Eine der wichtigsten wird das Chayandinskoye-Feld in der ostsibirischen Region Jakutien werden. Dort, nördlich des Baikalsees, wird gerade an der Erschließung gearbeitet. Gegen Ende des Jahrzehnts sollen aus 300 Bohrlöchern jährlich 25 Milliarden Kubikmeter gewonnen werden.


Daher arbeitet Gazprom auch bereits an der Erschließung weiterer Felder in Ostsibirien, zumal die geplante Pipeline nach Vladivostock nicht allein für den chinesischen Bedarf geplant ist. Ihre Transportkapazität wird 61 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr betragen, und an der Pazifikküste wird eine Verflüssigungsanlage entstehen, sodass auch andere Märkte in Ostasien beliefert werden können. Denkbar ist auch eine Fortsetzung der Pipeline auf die koreanische Halbinsel.

Edit: Der Erste Absatz wurde nachträglich präzesiert.

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